Samstag, 4. Juni 2011

Alipius, übernehmen Sie!

Elsa sieht sich außerstande, einen Bericht über eine Podiumsdiskussion zu führen, welche gestern in Dresden beim Evangelischen Kirchentag stattfand. Thema:
    Ist das Apostolische Glaubensbekenntnis ein Schatz oder ein Ballast?
Ungefragt springe ich mal helfend herbei und übernehme für Elsa.

Der Publizist Christian Nürnberger wuchs mit einem soliden Kinderglauben auf, bezeichnet sich heute aber als
    "ein protestantischer Agnostiker, der der Kirche treu bleibt."
Wie kam es zu der dramatischen Veränderung? Wer nun auf eine große Überraschung hofft, den muß ich enttäuschen. Die Erklärung ist so vorhersehbar wie traurig:
    Seine Zweifel am christlichen Glauben seien in der Schule und während des Theologiestudiums gewachsen.
Superintendent i.R. Herbert Koch flippt dann völlig aus:
    Der Superintendent im Ruhestand Herbert Koch (Garbsen) sagte, das Glaubensbekenntnis sei für ihn eine „fundamentalistische Zumutung“ und ein wesentlicher Grund für die rückläufige Teilnahme an Gottesdiensten. Höchstens zehn Prozent der evangelischen Mitglieder glaubten an die Jungfrauengeburt und weniger als jeder dritte Protestant, dass Jesus Gottes Sohn sei. Hauptschwierigkeit sei für ihn die „übernatürliche Biographie Jesu“, so Koch. Die Jungfrauengeburt sei „eine fromme spätere Legende“, zudem sei Jesus Analphabet gewesen. Auch rechne er nicht mit der Wiederkunft Christi zum jüngsten Gericht. Koch: „Die Kirche rechnet sicher mit allerlei aber auf keinen Fall mit der Wiederkunft Christi.“ Was kirchliche Leiter wirklich verbinde, sei nicht das Glaubensbekenntnis, sondern das Interesse, die Kirche zu erhalten. Koch forderte dazu auf, von den Quäkern zu lernen: Diese lehnten Dogmen ab, weil diese abgrenzen und andere ausschließen und daher nicht dem Frieden dienten. Das Christentum behaupte eine „unendliche Überlegenheit“ über andere Religionen. Es müsse jedoch auf seine Absolutheitsansprüche verzichten. Die Christen sollten Jesus das sein lassen, was er wirklich war: ein großer Prophet und Weisheitslehrer, so Koch. Die wahren Schätze des Glaubens seien für ihn die Bergpredigt, die „Ringparabel“ des Dichters Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) sowie die Vorlesungen des Theologen Adolf von Harnack (1851-1930) über das „Wesen des Christentums“.
Prä-suizidaler, woodstock-verfilzter, selbstschmeichlerischer, identitätsleugnender Mist. Herr Superintendent i.R., zweifeln und hadern Sie von mir aus, soviel Sie wollen, aber stellen Sie nicht ihre galoppierenden Minderwertigkeitskomplexe apodiktisch als Zukunftsmodell für eine Christenheit in den Raum, die sich in manchen Teilen der Erde vor lauter "unendlicher Überlegenheit" kaum noch aus dem Haus wagt.

Aber wenn Sie schon mit dem Glaubensbekenntnis, so wie es steht, nichts anfangen können und wollen, will ich Ihnen wenigstens eine Alternative bieten, die vielleicht eher schmeckt:

Ich glaube an [... bitte ausfüllen ...], das mich Annehmende, das Gleichmachende,
das kreative Prinzip unter dem Gras und hinter den Wolken,
und an Jesus, dessen prophetischen Ableger, unseren Buddy,
empfangen nach einigen Gramm Tetrahydrocannabinol,
geboren aus meinem Bedürfnis,
gelitten unter Petrus,
gekreuzigt, scheintot zurückgelassen und begraben,
fast hinabgestiegen in das Reich des Todes,
grade noch rechtzeitig wieder aus dem Felsenloch geholt,
verschwunden und nimmer wieder gesehen;

er sitzet in meiner Phantasie, der allmächtigen Weltengestalterin;
von dort wird er kommen zu richten die "Christen".

Ich glaube an das Heilige Gespenst,
die heilige universale Baumumarmung,
Gemeinschaft der Anti-Baby-Pillen-Benutzer,
Nichtexistenz der Sünde,
Tod des Besonderen
und die ewige graue Suppe. Amen.

Kommentare:

Bellfrell hat gesagt…

Bravo!

Mit diesem innovativen, zeitgemäßen Alternativ - Bekenntnis werden Nürnberger und Koch wieder gut schlafen können!
HT, daß dem Hochwürden so schnell dieses "...bitte ausfüllen.. " Universal-Bekenntnis eingefallen ist.

Das wird jedenfalls gespeichert und zu passenden Anlässen zitiert werden.

Lauda Sion hat gesagt…

*ROFL* verlinke es mal um es ggf griffbereit zu haben, vielleicht zum Dialogprozess am 18. hier bei uns :)

gallus hat gesagt…

Hätte Luther geahnt wo das alles hinführt, er wäre im Kloster geblieben.

Le Penseur hat gesagt…

Don Alipio,

ich weiß, Sie (und eine Reihe anderer) werden mich jetzt weniger mögen ...

Aber Superintendent i.R. Koch's Statment:

Höchstens zehn Prozent der evangelischen Mitglieder glaubten an die Jungfrauengeburt und weniger als jeder dritte Protestant, dass Jesus Gottes Sohn sei. Hauptschwierigkeit sei für ihn die „übernatürliche Biographie Jesu“, so Koch. Die Jungfrauengeburt sei „eine fromme spätere Legende“, zudem sei Jesus Analphabet gewesen. Auch rechne er nicht mit der Wiederkunft Christi zum jüngsten Gericht. Koch: „Die Kirche rechnet sicher mit allerlei aber auf keinen Fall mit der Wiederkunft Christi.“ Was kirchliche Leiter wirklich verbinde, sei nicht das Glaubensbekenntnis, sondern das Interesse, die Kirche zu erhalten.

... halte ich für durchaus plausibel. Auch ich fühle mich beim Glaubenspunkt »Jungferngeburt« etwas amüsiert to put it mildly). Und über die »Auferstehung« habe ich gleichfalls Gedenken, die mich ums Jahr 1550 in Rom, Madrid, London, Genf und Wittenberg gleichermaßen auf den Scheiterhaufen gebracht hätten (das hat sich inzwischen geändert — Gott und der Aufklärung sei Dank!).

Natürlich habe auch ich an Koch's Standpunkt einiges auszusetzen — z.B. finde ich das »Interesse an der Erhaltung der Kirche« als Motiv ausgesprochen zwiespältig. Ähnliches Interesse hatten auch die Lehrer an den Parteihochschulen der DDR bezügl. Marxismus-Leninismus und Rolle der SED — nur nötigt mir das allein keine Achtung ab ...

Ihr »Anti-Apostolicum« ist zugegebenermaßen durchaus witzig — aber trifft es wirklich Koch's Bedenken? Ich glaube nicht! Was halten Sie z.B. von folgendem Bekenntnis:

We believe in one God, the Creator and Preserver of all things,
And in Jesus Christ, the one Lord of the Church,
whose teachings and life form the standard of our faith and practice,
And in the holy spirit, the influence of God within us;
We believe in the divine element in conscience,
In free will and the responsibility that comes with it,
In the inspiration and sanctity of Scripture,
In the forgiveness of sins,
In God's universal love for all humankind,
And in the future advancement of the whole human family to holiness and happiness.
(ich spare mir die Übersetzung, kann wohl jeder selbst!)

Ich weiß, ich weiß: das alles wird Ihnen noch immer »defizient« vorkommen. Das ist Ihr gutes Recht! Aber ich glaube, es wird den Gedanken des besagten Superintendenen i.R. weitaus gerechter als Ihre Polemik.

P.S.: wen es interessiert, woher obiges Bekenntnis kommt: hier werden sie geholfen ..

Josef Bordat hat gesagt…

Nicht schlecht, Alipius! Gar nicht schlecht!

"fast hinabgestiegen in das Reich des Todes,
grade noch rechtzeitig wieder aus dem Felsenloch geholt,
verschwunden und nimmer wieder gesehen"

Echt: Nicht schlecht! ;-)

LG, JoBo

Anonym hat gesagt…

Tja, hinter vorgehaltener Hand wird gemutmaßt, dass man Luther nur deshalb so eine schwere Grabplatte verpasst hat, damit er sich nicht drin umdrehen kann ...

Ein "Agnostiker, der der Kirche treu bleibt". Aha. Ist das so was, wie ein Vegetarier, der im Schlachthof arbeitet?

Ich war noch nie auf dem ev. Kirchentag, und jetzt weiß ich auch wieder warum. Das könnte meinem Blutdruck schaden.

Alipius hat gesagt…

@ Bellfrell: Danke!

@ gallus: Schön wär's...

@ Le Penseur: Klar ist das polemisch und klar kann man ein alternatives Glaubesbekenntnis auch entgegenkommender schreiben (ich habe das Unitarier-Bekenntnis sogar erkannt, ohne nachzuschauen ;-), aber auf einen groben Klotz und so... Daß Kochs Zahlen plausibel klingen, will ich gar nicht bestreiten, aber kann die Lösung denn wirklich lauten "Wir schreiben das Credo so lange um, bis sich endlich so viele Menschen wie möglich darin wiederfinden"? Und wenn wir es tun: Ändert dies etwas an den heilsgeschichtlichen Realitäten, oder nur etwas an der Befindlichkeit möglichst vieler Menschen?

@ JoBo: Danke!

Alipius hat gesagt…

@ curioustraveller: Schon seltsam, was sich da so rumtreibt, oder?

Phillip hat gesagt…

Das ist echt Spitze, Alipius:) Einfach erste Güte:) Dieses Glaubensbekenntnis ist einfach die Karikatur schlechthin- bravourös!

Anonym hat gesagt…

Es ist Zeit gegen den Zeitgeist wieder die christlichen Basics (anderes Wort, wenn man so will, für Dogmen) hoch zu halten. Wer wirklich evangelisch - und zwar christlich - sein will, der muss sich auch zum Credo, wie es die Kirche lehrt bekennen. Agnostiker sollten austreten, wenn sie wirklich solche sein wollen, denn sie sind keine Glieder der Kirche. Wer die Auferstehung Christi leugnet ist kein Christ. Denn wir glauben nicht an einen Gott der Toten - denn über kurz oder lang sind wir das alle - sondern an einen Gott der Lebenden, der auch mich nicht im Tod lässt, wie er seinen eigenen Sohn auch aus dem Reich des Todes geholt hat.
Wer nicht an die Wiederkunft Christi glaubt ist kein Christ, denn auch das gehört zu den christlichen Grundlagen. Ab einem gewissen Alter sollte der Mensch zum Gebrauch der Vernunft gelangt sein. Bei manchen Menschen ist das aber anscheinend zu bezweifeln.

Theodor hat gesagt…

Sehr treffend ;-) ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob der Ehrentitel "Christus" nicht besser weggelassen werden sollte - mit "Buddy" ist doch alles wirklich Wesentliche gesagt. Außerdem klingt da schon "Christentum" mit und Kreuzzug, Hexenverbrennung und dergleichen mehr ...

Imrahil hat gesagt…

Stelle mir gerade vor, wie Chesterton ganz wild wird über eine ganz bestimmte Bemerkung.

Nämlich dieses hämische "Jesus war übrigens ein Analphabet". (Wozu sachlich nur "Lk 2,46f" zu rufen wäre, aber es geht hier nicht um den sachlichen Inhalt, sondern um die Verachtung der Geschichte der Menschheit.)

Zum Versuch, Jesus Christus als Propheten und Weisheitslehrer zu reklamieren, nicht aber als Sohn Gottes, hat C. S. Lewis alles gesagt, was dazu zu sagen ist.

Johannes hat gesagt…

Großartig und weiterso!

Die Polemik ist das Vorrecht der Zornigen.

Unser hochwürdiger Chorherr fährt gerade hier zu seiner Form auf.

Ich jedenfalls freue mich immer, mit großem Vergnügen irgendwo lesen zu können, was zu schreiben ich selbst außerstande bin.

Anonym hat gesagt…

Genial! Danke für diesen guten Beitrag!

TimCHebold hat gesagt…

Erinnert mich irgendwie hier dranne:

http://www.youtube.com/watch?v=EMbTfAURga8

Johannes hat gesagt…

Fehlt ja eigentlich nur noch David Friedrich Strauß "Leben Jesu". Ob es wohl einen Katechumenenkurs für verbekirchenbeamtete Häretiker gibt. Mir Letztkommunion, Abfirmung und Gegenbeichte. So eine Art schwarze, oder in diesem Fall violette Messe?

Nur frage ich mich, was da wohl auf dem Altar geopfert wird. Eine Zuchini?

Alipius hat gesagt…

@ Theodor: Hast Recht! "Jesus" und "Buddy" reicht vollkommen! Ich habe "Christus" gestrichen.

Raphaela hat gesagt…

Brilliant. Schlicht und einfach brilliant! *applaudier*

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Haben wir in unserer katholischen Abteilung nicht auch solche alten Männer, die von Zeit zu Zeit Seltsames (inbesondere gegen den Papst)absondern. Wie schon der Alte Fritz so treffend bemerkte, als sich jemand bei ihm beschwerte, ein Pfarrer glaube nicht an die Auferstehung: "Meinetwegen. Dann soll er halt liegenbleiben..."

.U. hat gesagt…

@Johannes
Opfer widersprechen dem Geist der Bibel, wir müssen uns nach der Bibel richten, aber natürlich müssen wir sie vorher von historischem Ballast befreien, wie zum Beispiel Wunder, die ja wirklich nicht mehr in unsere aufgeklärte Zeit passen. Jesus war ein guter Mann
http://www.youtube.com/watch?v=J0jl5HF0_8I
Dieses Lied ist recht gut, nur ist sie noch zu unaufgeklärt, wissen wir doch, dass es Blitzeis auf dem See Genezareth war.
Und wir sind durch unsere Menschlichkeit verpflichet das zu tun, was er wirklich gemacht hat, er ist rumgelaufen und hat den Leuten gesagt, dass sie gut sein sollen. Das ist die wahre Verpflichtung von uns - ökumenisch formuliert - Küngerinnen und Küngern, Bultmännerinnen und Bultmannen.

Anonym hat gesagt…

Die "Jungfrauengeburt" ist keine Legende, sie ist - heute - medizinische Realität.

Natürlich können heute Jungfrauen durch medizinische Eingriffe schwanger werden. Warum sollte ausgerechnet Gott nicht können, was sich Mediziner heutzutage anmaßen?

Anonym hat gesagt…

Sehr schön und sehr treffend. Diesen Teil kann ich nur unterschreiben:

"... aber stellen Sie nicht ihre galoppierenden Minderwertigkeitskomplexe apodiktisch als Zukunftsmodell für eine Christenheit in den Raum, die sich in manchen Teilen der Erde vor lauter "unendlicher Überlegenheit" kaum noch aus dem Haus wagt."

Die Krankheit, die den Verfall verursacht, wird als Zukunftsmodell hingestellt und der Bock zum Gärtner gemacht. Ich kann es inzwischen, bei solchen Stellungnahmen (wie der, dieses protestantischen Ex-Gemeindedieners), gar nicht mehr anders sagen: Wenn man so rein gar keinen Glauben hat, dann möge man doch ehrlicherweise die Sache mit dem Christentum und der Kirche einfach bleiben lassen. Wer an die jungfräuliche Empfängnis der hl. Gottesmutter, die Inkarnation der zweiten Person der Göttlichen Dreifaltigkeit, die Auferstehung und weitere zentrale, für das Heil, aus christlicher Sicht, notwendigen Heilslehren nicht glauben "kann" (im Sinne von: nicht glauben WILL und zu allem Überfluss seinen Glaubensabfall auch noch öffentlich an den Mann bringt) möge m. M. nach lieber seine sieben Sachen packen und das Weite suchen (für Katholiken tritt in so einem Fall wohl - wenn ich mich nicht komplett täusche - ohnehin die "excommunicatio latae sententiae" ein). Mit dem Christentum hat so jemand nichts am Hut und die Sorgen desjenigen dürften sich - insofern derjenige im kirchlichen Dienst steht - wohl in erster Linie darauf belaufen, daß ihm die Pfründe abhanden kommen, wenn die - bei einer derartig leeren Hülse, wie der intendierten Scheinkirche für (geistlich und intellektuell) Arme auch kein Wunder! - Menschen abfallen oder aber - insofern es sich um einen Laien handelt - darauf, nicht von einer starken, unangekränkelten Religion (Stichwort Islam) wieder in Zucht genommen zu werden. Solche Sorgen sind peinlich und wirken wie Heuchelei, denn das Christentum dieser Leute ist schon längst keines mehr, sondern nur noch Wischiwaschi, Beliebigkeit und die reinste Leere (einer sog. "Aufklärung" - wo doch schon spätestens seit Christi Auferstehung und Himmelfahrt klar sein sollte, daß alle Erleuchtung alleine vom "Patre luminum" stammt (Iac I,17)).

Le Penseur hat gesagt…

@Don Alipio:

Daß Sie das Unitarier-Bekenntnis erkannten, ohne nachschauen zu müssen, läßt mich hoffen ... ;-)

Aber Scherz beiseite:

... kann die Lösung denn wirklich lauten "Wir schreiben das Credo so lange um, bis sich endlich so viele Menschen wie möglich darin wiederfinden"?

Wohl nicht — aber wenn die überwältigende Mehrheit derer, die sich noch als »zugehörig« fühlen (die Meinung derer, denen das alles längst am A.... vorbei geht, lassen wir mal außeracht!) — und 80% bzw. 70% sind überwältigende Mehrheiten — , dann kann ich mich m.E. nicht ohne weiteres auf ein »aber ich habe die Tradition / das Lehramt auf meiner Seite und somit trotzdem recht!« beschränken. Und es ist ja nun nicht so, daß der traditionelle Standpunkt in sich völlig plausibel wäre, sondern ganz im Gegenteil: nicht von einer Jungfrau geboren zu werden und nicht drei Tage nach einer Kreuzigung rumzulaufen ist weitaus plausibler als andersrum!

@Nachtbriefträger:

Wer die Auferstehung Christi leugnet ist kein Christ. [...] Wer nicht an die Wiederkunft Christi glaubt ist kein Christ, denn auch das gehört zu den christlichen Grundlagen.

Ich erkenne einigermaßen verblüfft, daß ich kein Christ (mehr) bin. Nun, ich finde dagegen, daß Ihre Definition von »Christ-sein« etwas schmal geraten ist.

Ab einem gewissen Alter sollte der Mensch zum Gebrauch der Vernunft gelangt sein. Bei manchen Menschen ist das aber anscheinend zu bezweifeln.

Darauf antworte ich lieber nichts, denn es artet nur in Polemik aus ...

@Imrahil:

Zum Versuch, Jesus Christus als Propheten und Weisheitslehrer zu reklamieren, nicht aber als Sohn Gottes, hat C. S. Lewis alles gesagt, was dazu zu sagen ist.

Wirklich? Ich nehme an, Sie beziehen sich auf das »Liar, Lunatic or Lord«-Argument. Wenn es Sie überzeugt, schön! — mich nicht wirklich. Denn es läßt eine Reihe anderer Deutungen einfach unberücksichtigt. Lewis war übrigens auf seine Alten Tage dem Unitarismus recht zugetan ...

Anonym hat gesagt…

Wie war das noch - an ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen?

Ich will mir lieber garnicht ausmalen, welche Früchte in der Botanik das Gegenstück zu den Aussagen des Herrn Sup.Int. i.R. sind ...

Gruselig.

Pompous Ass

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: Ich schrieb ja "heilsgeschichtliche Realität", weil ich von dem Plausibilitätsdenken wegwollte. Wenn wir uns als Christen bezeichnen, dann umfaßt dieses Bekenntnis ja gewisse Inhalte. Diese Inhalte nun auf ihre Plausibilität hin zu prüfen halte ich deswegen für problematisch, weil man - hat man einmal damit angefangen - einfach nicht mehr erkennt, wo man aufzuhören hat, wenn man tatsächlich Christ bleiben möchte. Anders herum gefragt: Wenn wir an einen Schöpfer gauben, warum dann nicht auch an die Jungfrauengeburt oder die Auferstehung? Wie sollte es dem, der aus nichts alles erschuf, ummöglich sein, auch andere Wunder zu vollbringen, die sich unserem Erklärungs-Werkzeugkasten entziehen? Natürlich kann man so lange an den Glaubensinhalten herumkürzen, bis letztlich nur noch der "Lehrer" Jesus bleibt (und es ist nicht so, daß ich Ihnen das hier jetzt implizit vorwerfe, ich spreche es nur an). Aber dann ist es meiner Meinung nach nicht nötig, sich als Christ zu bezeichnen, denn "Christ" (anders als "Jesus-Anhänger" oder so) hat für mich schon auch eine schwer göttliche Kante, in die mehr hineingehört als "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe" und ähnliches.

Anonym hat gesagt…

@Le Penseur: Ich behaupte nicht, dass ich eine umfassende Definition des Christseins in diesen kurzen Kommentaren liefern kann. Aber die zwei Punkte sind Basics wie einige andere auch. Wenn es geholfen hat, festzustellen, ob man noch an den Sohn Gottes glaubt oder an "Buddy" oder sonstewen, dann meinen Glückwunsch. Im übrigen sollte es nur eine Reaktion auf die Äußerungen des Herbert Koch sein.

Le Penseur hat gesagt…

@Rev. Alipius:

... und es ist nicht so, daß ich Ihnen das hier jetzt implizit vorwerfe ...

Ach, Reverende! — ich kenne Sie gut genug, um zu wissen, daß Sie das natürlich nicht tun — und Sie kennen mich gut genug, um zu wissen, daß das nicht ein »Vorwurf« wäre, sondern die zutreffende Feststellung einer Tatsache ...

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: Stimmt!