Freitag, 24. Juni 2011

300!

Nein... Nicht das Comic oder der Film...

Aber mit ähnlich dicker Hose dürften die 300+ österreichischen Pfarrer in den Kampf gegen den übermächtigen Feind (die geballte Macht der römischen Kurie und der österreichischen Bischöfe) schreiten. Schließlich ist einem ja der Applaus der Welt sicher, wenn das Blut der Kirche fließt.

Über Phillip stieß ich auf den Aufruf zum Ungehorsam, den die österreichische Pfarrerinitiative am 19. Juni veröffentlichte.

Hier erst einmal der Text (ohne Kommentare, da diese sich - denke ich -erübrigen):
    Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden:

    Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

    1. WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

    2. WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

    3. WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

    4. WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

    5. WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

    6. WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

    7. WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

    Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.
Nicht schlecht...

Um sich den Jubel der Welt zu sichern, schleimt man sich bei ihr ein und hängt das ut unum sint an den Galgen. Glaubt mir, liebe Brüder im Amte, auch ich folge mit meiner Entscheidung nur meinem Gewissen, wenn ich sage: Bordsteinschwalben verkaufen wenigstens nur ihren Körper.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

O pauper Austria

Stanislaus hat gesagt…

Voll die Egozentriker. Jeder Punkt fängt mit "Wir" an. Klerikalismus pur!

Anonym hat gesagt…

Warum kann es Deiner Meinung nach nicht sein, daß diese Priester ihrem Gewissen folgen?
Es gibt nach katholischer Auffassung die Pflicht, seinem Gewissen zu folgen, auf die Gefahr hin, daß es ein irrendes Gewissen ist.
Übrigens: meine Meinung zu diesem Thema steht hier nicht zur Diskussion. Nur einfach die zitierte Meinung jener Priester.

Scipio hat gesagt…

Das Aus für Paulus und Konsorten. Keine Wanderprediger. Nur geistige Inzucht erlaubt.

Außerdem so richtig schön kirchenspaltend: "Which side are you on?" (Woody Guthrie)

Anonym hat gesagt…

Langsam kapier ich gar nichts mehr. Wie geht eine Eucharistiefeier ohne Priester? Wer macht da die Wandlung?

Anonym hat gesagt…

Das ist ja ähnlich schön, wie wenn der Arbeiter-Sparverein an der Börse die Aktienmehrheit der eigenen Fabrik kauft, dann alle rausschmeißt und die Produktion aus Kostengründen nach Halbasien auslagert ...

Kinder, man sollte doch weiter denken können als bis zu den Abendnachrichten! Vobis estis sacerdotes in aeternum!

Schlagzeilen heute, morgen noch kurz erwähnt, und in acht Tagen ist alles Altpapier ...

Pompous Ass

Le Penseur hat gesagt…

Nicht bös' sein, cher Don Alipio — aber der Körper von Bordsteinschwalben ist (»in der Regel«, hätte ich fast gesagt, aber das wird zweideutig, also sag' ma halt: »üblicherweise«) ein nachgefragter Artikel (ohne daß ich jene junge Dame da etwa verdächtigen wollte! Die hat das nicht nötig, wie sie aussieht) ...

Ob der Körper der 300 Initiativpfarrer auch so nachgefragt wäre, wage ich dezent zu bezweifeln. Da hilft ihnen auch nicht, sich noch so sehr auf »Kolleginnen« zu freuen.

Und das andere, was sie ggf. zu verkaufen hätten (so sie das nicht schon längst haben), wird hernieden wohl auch keine Interessenten finden ...

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Ich sage ja nirgendwo, daß es nicht sein kann, daß diese Priester ihrem Gewissen folgen. Aber wenn sie dies tun, dann müssen sie als (Noch-)Priester der katholischen Kirche auch anerkennen, daß ihr Gewissen sie ganz offenbar an einen anderen Ort ruft als an den, an welchem sie momentan wirken.

Nepomuk hat gesagt…

Ich hätteda noch eine achte Forderung...
http://vorgestellt-nachgedacht.blogspot.com/

Salonrevoluzzer!

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Man schaue sich mal die Zugriffszahlen zu jener Seite und den Kommentarbereich an. Beides schaurig schlecht!
http://predigtgarten.blogspot.com/2011/06/ungehorsam-in-osterreich-wir-werden-wir.html

B. hat gesagt…

@kallipevorleserin:
Was Du über das Gewissen sagst, ist richtig, allerdings sollte man sich darüber klar sein, was es bedeutet "seinem Gewissen zu folgen". Das bedeutet, das zu tun oder zu unterlassen, was einem das Gewissen vorschreibt, bzw. verbietet.
Heute jedoch wird es jedoch oft mit der Gewissensfreiheit begründet, wenn jemand etwas verbotenes tut, dieses aber nicht gegen sein Gewissen verstößt.
Die Nichtverletzung des Gewissens begründet jedoch keine Gewissensfreiheit bei einer Handlung, erst die Verletzung des Gewissens bei gegenteiliger Handlung.
Das ist in der Kirche so, aber auch im säkularen Recht. Ein Raubkopierer wird z.B. auch dann bestraft, auch wenn er sein Kopieren mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Nur der Kriegsdienstverweigerer wird nicht bestraft, wenn er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, an der Waffe zu dienen.

Die Pfarrgenossen müßten also beispielsweise für sich in Anspruch nehmen, daß es gegen ihr Gewissen verstößt, wenn ein "ortsfremder" Priester die Messe liest, um sich auf die Gewissensfreiheit berufen zu können.