Mittwoch, 25. Mai 2011

Zum Glück schien die Sonne, ...

... denn mit Regen wäre alles noch trister gewesen.

Ich hatte heute meine erste Beerdigung, und ich sag's ganz ehrlich: Das war nicht einfach, und es wird wahrscheinlich in Zukunft auch nicht besser. In der Friedhofskapelle war ich noch ganz beisammen, aber am Grab schossen mir dann so nachhaltig die Tränen in die Augen, als der Witwer der verstorbenen herzzerreißend schluchzend neben mir stand, daß ich das Ave Maria an der verstopften Kehle vorbei durch die Zähne pressen mußte wie eine Melone durch einen Strohhalm.

Als ich später den Friedhof verließ, kam ich an einem großen und schönen Familiengrab vorbei. Meine Augen wanderten so über die Namen, von unten nach oben. Ganz oben sah ich diese Daten: *13.8.1930 +13.10.1930. Und daneben als Namen: Enkelchen Emil. Da hat's mich gleich fast wieder gerissen. "Enkelchen"...

Ich werde wohl nie verstehen, warum wenige Monate darüber entscheiden können, ob man nun ein betrauertes Familienmitglied oder ein abzutreibender Störenfried ist.

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Hm, ich habe mich mit einem befreundeten Priester vor einer Zeit über ebensolche Situationen unterhalten. Ich habe aus meiner Familie nur Großeltern verloren, habe also kaum Erfahrungen mit so etwas.
Ich glaube, eine Beerdigung würde mir am schwersten fallen.
Wie geht man also mit den Hinterbliebenen um? Genügt zuhören wirklich, wie mir damals gesagt wurde?

Mcp hat gesagt…

Den Tod fürchte ich nicht. Es ist das Sterben, was mir Sorgen macht.

Den Tod beweinen die, die weiterleben müssen, das Sterben jene, die kurz vor dem Tode stehen. Der Tod ist Erlösung, das Sterben nicht.

Alipius hat gesagt…

@ Michael: Daß ist schwer zu sagen. Zuhören ist sicherlich wichtig, aber auch die richtigen Worte verfehlen Ihr Ziel nicht. Wir trauern ja, weil ein Mensch uns genommen wurde und diese Lücke ist streng genommen in diesem Leben nicht mehr zu schließen.

@ Mcp: Das sehe ich ähnlich. Ich habe auch Bammel vor dem Sterben, aber nicht vor dem Tod (der ja - wie wir wissen - besiegt ist).

Anonym hat gesagt…

Ich konnte mich bei meiner ersten Beerdigung gut emotional fernhalten - es war ein alter Mann, der, wie die Bibel sagt "alt und lebenssatt" starb. Die ganze Feier hatte bei aller Trauer einen Unterton von Freude darüber, dass es ein Wiedersehen geben wird.

Meine schwierigste Beerdigung war meine dritte: Ein neugeborener Junge, der nur 3 Stunden nach der Geburt gelebt hat. Das war für mich nicht leicht, gerade, weil ich selbst Kinder habe.