Dienstag, 24. Mai 2011

Wie fühlt sich das an?

Aus aktuellem Anlaß (Elsa hat auch schon darauf hingewiesen) stell ich mir mal die Frage: "Priester sein heute - wie fühlt sich das an?"

Dufte!

Ich werde immer noch "Hochwürden" genannt ;-), verlasse morgens mein "Haus voll Glorie", stürze mich ins pastorale Gewühl, hänge mich zwischendurch kurz für eine Stunde zum Trocknen auf, richte ein paar tröstende Worte an einen trauernden Menschen, albere mit ein paar Kindergartenkindern herum, drücke einem Penner Geld für eine Mahlzeit in die Hand, freue mich, daß der Papst seinen "Stall" in einem "Palast" aufgezogen hat (su casa es mi casa), beiße zwischen Tür und Angel einen Happen zweitausendjähriger Geschichte ab, belächele die "psychosexuelle Dynamik" und lasse mich immer wieder neu in den meine Kräfte regenerierenden Teich der Mitbrüderlichkeit fallen.

Also bleibt mir vom Leib mir Eurem verschwurbelten Sexualtherapeuten-Deutsch, Euren anerzogenen Minderwertigkeitskomplexen, Euren hochstilisierten Eifersuchtsdramen, Eurem "Trotzdem".

Denn bei mir herrscht das große "Weil", und so soll's bleiben!

Kommentare:

Imrahil hat gesagt…

"Also bleibt mir vom Leib mit [...] Eurem "Trotzdem".

Denn bei mir herrscht das große "Weil", und so soll's bleiben!"

AMEN!

Anonym hat gesagt…

So sprach es der hochwürdige Herr! Nur warum ist diese Einstellung doch wieder auf dem Rückmarsch, oder besser noch/wieder in der Minderheit der frisch Geweihten? Eigentlich hatte ich die Hoffnung, daß sich dieser Geist durchsetzen wird, doch die Empirie zeigt mir eher einen anderen Geist der durch die Seminare weht - und, um hier zu zitieren, Quelle auf Nachfrage: was will man auch von einem Regens erwarten, der innert 20 Jahren kein Buch zur Hand genommen hat? Was soll der den Seminaristen auch schon beibringen...
Hoffen wir doch einfach, daß gutes Beispiel und Selbsterkenntnis uns wieder auf den Weg der Besserung bringt. Wahrlich, unsere Kirche könnte es gebrauchen!
Deswegen, Hochwürden, meinen Dank für dieses klare und erfrischende Darlegung! Möge der Herr Sie schützen und führen!

Raphaela hat gesagt…

Bravo, Hochwürden!

Ich wurde einmal vom Herder-Verlag angerufen mit der Frage, ob man mich denn für ein verbilligtes Probeabo von Christ in der Gegenwart gewinnen könne. Habe dankend abgelehnt mit der Begründung, es stünde in dem Blatt zuviel, was diametral im Widerspruch zum Lehramt gerichtet stünde.

Die Reaktion der Mitarbeiterin eines auf Theologie spezialisierten Verlags, der u.a. nicht wenige Titel eines gewissen J. Ratzinger im Programm führt, war: "Ach, dann sind Sie also Lehrerin?"

Ähm... nope. Katholikin zu sein reicht völlig. :D