Dienstag, 31. Mai 2011

Unvorstellbar...

Der scheidende Laieninitiativen-Obmann Herbert Kohlmaier haut noch mal schnell ein Interview im Standard raus und schaufelt sich und seiner Bewegung im Grunde das Grab:
    Ich habe daran geglaubt, dass wir mit unserer Initiative Dinge in Bewegung bringen können. Vor allem haben wir gehofft, die österreichischen Bischöfe ein bisschen auf unsere Seite zu bringen und dazu zu bewegen, in Rom entsprechend zu agieren ["Wir gegen die" auf Kosten der Kirche und der Einheit unter den Gläubigen...].

    ...

    Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es sinnlos ist, nur zu intervenieren, zu bitten, zu appellieren, zu demonstrieren. Man muss vielmehr den Leuten sagen: 'Ihr könnt diese Kirchen-Hierarchie mit dem Papst in Rom an der Spitze nicht ändern. Die hören nicht auf euch - also hört auch nicht auf sie.' Kirchliches Leben kann sich nur entfalten, wenn sich Gläubige nicht mehr unterordnen und die bischöfliche Autorität ignorieren [Von einer falschen Prämisse (Alle Katholiken wollen, daß die Kirchen-Hierarchie mit dem Papst in Rom an der Spitze sich ändert) zu einem trotz seiner Voraussehbarkeit nicht eben geschmackvollen Schluß: Erpressung und Ungehorsam werden für die Entfaltung kirchlichen Lebens sorgen].

    ...

    Es braucht in Österreich zivilen Ungehorsam in der katholischen Kirche. Und der muss so stark sein, dass die Bischöfe gar nicht mehr anders können, als auf Forderungen einzugehen [Wie gesagt...].

    ...

    Mit uns kann man weiter reden. Aber die Gangart wird schärfer. Wir planen im November eine Veranstaltung, wo wir eine Anleitung geben und begründen, dass pfarrerlose Gemeinden auch ohne fehlende Priester Eucharistie feiern können [Ja, aber nicht dürfen. Somit paßt's natürlich hervorragend zum Ungehorsam].

    ...

    In eine Auseinandersetzung wird die Kirche nicht gehen, denn da wäre man argumentativ total unterlegen. Deshalb schweigt die Kirche lieber. Eine Diskussion würde nur zeigen: Die Kirche hat sich heute meilenweit von Jesus entfernt [What the what the WTF??? Offenbar sind die tausendmilliausend Diskussionen um Zölibat und Frauenordination, um Sakramente und Liturgie, um Kirchenrecht und Dogmen, in welche die Kirche von nimmerzufriedenen Berufsnörglern ständig und immer wieder verwickelt wird, recht spurlos an Kohlmaier vorbeigegangen. Daß er die Argumente der Kirche nicht anerkennt, wundert mich nicht: Bei diesem Mix aus Larmoyanz, Selbstbeweihräucherung und Stolz, der die eigenen Ideen mit ihrem Entstehen sofort als apodiktisch und unverhandelbar setzt, kriegt man nur schwer einen Fuß in die Türe].
Kohlmaier vs. Ratzinger: Das wird leider kein Clash of the Titans, sondern eine lockere Sparringseinheit für den Heiligen Vater. Immerhin zeigt dieses Interview, daß man in der Kirche offenbar bedeutend fruchtbarer altert.

Kommentare:

B. hat gesagt…

"Ja, aber nicht dürfen"

Hä, sie können ohne Priester Eucharistie feiern, sie dürfen nur nicht? Wie soll denn das gehen?

Alipius hat gesagt…

@ B.: Ich kann in einer 30-Zone 80 fahren, ich darf es nur nicht. Ich kann beim Obsthändler einen Apfel klauen, ich darf es nur nicht. Ich kann bei einem Warengeschäft betrügen, ich darf es nur nicht. Etc...

Matthias R. hat gesagt…

Hm - ich hatte mich beim Lesen allerdings das gleiche gefragt wie B.
Nach meinem Verständnis ist es grundsätzlich nicht möglich ohne geweihten Priester Eucharistie zu feiern, weil nur der zur Handlung in persona Christi befähigt ist. Die Weihe zum Priester ist ja nicht (nur) die Verleihung einer Befugnis sondern die Übertragung einer potestas - einer Fähigkeit. Klarerweise kann jeder die Handgriffe und Worte erlernen, aber bei allem Wollen könnte er nur ein Schauspiel ohne Wirkung in der Realität abhalten.
Es gibt nur einen ewigen Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks, Christus, und nur er ist in der Lage sich selbst zu opfern. Während alle Christen durch Taufe, Firmng und Eucharistie zu Teilen des Leibes Christi werden (so wie ganz Israel berufen war ein Volk von Priestern und Königen zu sein) gibt es eine ausgewählte Gruppe Menschen (deren Prototyp der Stamm Levi ist) die, durch direkte Übertragung in der Weihe, die Fähigkeit haben als Christus selbst zu wirken (und damit auch die Verantwortung die das mit sich bringt). Nicht der Mensch wandelt Brot und Wein zu Leib und Blut Christi, immer nur Christus selbst macht das, nicht der Mensch und nicht die Kirche vergibt Sünden, sondern Gott selbst. Als Priester im eucharistischen Gottesdienst ist derjenige, der am Altar steht nicht er selbst sondern Christus selbst steht dort. Deshalb (und nur deshalb) ist auch die Sündhaftigkeit eines Pristers kein Hindernis für die Sakramente, denn er ist es nicht selbst, er "stellt sich nur für Christus zur Verfügung". Um das gut und würdig zu vollbringen muss er lernen, wird er geprüft und schließlich besiegelt.
Kurz: Ich hätte es genau umgekehrt gesagt! Sie dürften jederzeit ohne Priester Eucharistie feiern, wenn sie könnten. Der Teufel wird ihnen mit Sicherheit auch einreden, daß sie es können und er wird sie damit einfangen.
Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.


Matthias

Alipius hat gesagt…

@ Matthias: Wir meinen ohnehin das Gleiche, denn ich verstehe das "Feiern" natürlich im kohlmaierschen Sinne als "simulieren". Somit kann man es schon tun, es ist eben nur verboten, ungültig und sündhaft. Daß kein nicht geweihter Mann jemals gültig und legal die Eucharistie feiern kann steht außer Frage. So tun als ob andererseits, dan können viele (und tun's ja auch, siehe katholische "Priesterinnen" bzw "Bischöfinnen").