Dienstag, 24. Mai 2011

Ratzinger-WIN!

    Ich bin in der Kirche aus denselben Gründen, aus denen heraus ich überhaupt Christ bin. Denn glauben kann man nicht allein. Glauben kann man nur als Mitglaubender. Glaube ist seinem Wesen nach Kraft der Vereinigung. Sein Urbild ist die Geschichte von Pfingsten, das Wunder des Verstehens, das zwischen Menschen geschieht, die von Herkunft und Geschichte her einander fremd sind. Glaube ist kirchlich oder er ist nicht. Dazu kommt ein weiteres: Wie man nicht allein glauben kann, sondern nur als Mitglaubender, so kann man nicht auf Grund eigener Vollmacht und eigener Erfindung glauben, sondern nur wenn und weil es eine Ermächtigung zum Glauben gibt, die nicht in meiner eigenen Macht steht, nicht aus meiner Macht kommt, sondern mir vorausgeht. Ein selbsterfundener Glaube ist ein Widerspruch in sich. Denn ein selbsterfundener Glaube würde mir ja nur verbürgen und sagen können, was ich ohnedies selber bin und weiß, er könnte die Grenze meines Ich nicht überschreiten. Daher ist auch eine selbstgemachte Kirche, eine Gemeinde, die sich selbst erschafft, die nur von eigenen Gnaden ist, ein Widerspruch in sich. Wenn Glaube Gemeinschaft verlangt, dann eine solche, die Vollmacht hat und die mir vorausgeht, nicht eine solche, die meine eigene Schöpfung, das Instrument meiner eigenen Wünsche ist.


    Joseph Ratzinger, "Warum ich noch in der Kirche bin", in: Hans Urs von Balthasar – Joseph Ratzinger, Zwei Plädoyers, München 1971

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