Donnerstag, 12. Mai 2011

Kurze Rückschau...

Es ist ziemlich genial, während der Exerzitien von allem weg zu sein und sich doch mittendrin zu befinden. Daheim hätte ich natürlich niemals die Ruhe gefunden. Während der Woche bei den Redemptoristen in Heilbad Heiligenstadt hatte ich dann nicht nur die Ruhe, sondern gleichzeitig auch den gewohnten Tagesablauf des Ordenslebens. Ich habe viele stille Stunden bei schönem Wetter draußen verbracht, hatte meinen Rosenkranz und meine frommen Bücher dabei. Wenn ich mich irgendwo niederließ, dann dauerte es keine fünf Minuten, bis ich Gesellschaft hatte. Hier krabbelte eine Spinne über meinen Handrücken, dort schwirrte eine Wespe oder etwas Fliegenartiges um mich herum, da trippelte vorsichtig eine Amsel heran, hier ließ sich ein Spatz einen Meter neben mir auf der Bank nieder. Je nachdem, wo ich war, geschah es, daß ich für Minuten nichts hörte außer Vogelgezwitscher und Wasserplätschern.

Ja, ich habe in den letzten Tagen endgültig akzeptiert (und ich gebe es ohne zu erröten zu): Ich bin ein Öko-Hippie-Bäumeumarmer-Robbenversteher! Wenn man mal die klassischen und weniger klassischen „Gottesbeweise“ einfach nur als Wege nimmt, die einem zeigen, in wie weit Gott es eingerichtet hat und es zuläßt, daß wir ihn erkennen können, so ist mein Gottesbeweis Nummer eins in der Tat die Schöpfung. Ich habe für gut eine Woche nur blau, grün, gelb und rosarot (Himmel, Gras, Raps und Sonnenuntergang) gesehen. Ich habe mich mit allem, was west, angefreundet; habe nicht mal die mir sonst schwer suspekten Spinnen vom Ärmel oder vom Bein geschüttelt, sondern interessiert ihren Weg verfolgt, der dann meistens auch ganz schnell wieder vom Ärmel oder vom Bein wegführte. Ich habe allen Leuten, die mir entgegenkamen und mich anblickten ein „Grüß Gott“ entgegengeträllert, was zu vielen kurzen oder langen, lustigen oder seltsamen aber immer freundlichen Gesprächen führte. Und in die Vögelchen bin ich ja eh verliebt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Es ist mir mittlerweile einfach nicht mehr möglich, mich in die Natur zu begeben und nicht das Gefühl zu haben, mitten in Gottes Garten zu stehen, in einem Kunstwerk, in DEM Kunstwerk. Und so, als Stünde ich vor Caravaggios Matthäus in der Kirche San Luigi dei Francesi oder im Treppenhaus des Schlosses Pommersfelden, ist es mir auch nicht möglich, diesem Kunstwerk nicht mit dem Respekt zu begegnen, den es verdient. Ich schaffe es schon nicht mehr, ein Papierchen fallen zu lassen, selbst, wenn es sich um ultraschnell abbaubares Spezialpapier handelt. Ich kann nicht einmal mehr ein winziges Insekt mit einer Lebenserwartung von 2,7 Sekunden achtlos wegwischen, weil ich Angst habe, es zu zerdrücken.

Vielleicht ist es nur eine Phase, vielleicht ist es etwas Großes, Neues, das mich für den Rest meines Lebens verfolgen wird: Aber ich sehe im Moment überall nur liebevoll und sorgsam gestaltete Kunstwerke Gottes.

Kommentare:

Stegi hat gesagt…

Bin gespannt, was der Herr Alipius während der nächsten Stechmückensaison machen wird...

Stegi hat gesagt…

wird das irgendwie gefilmt oder so?

Anonym hat gesagt…

Lieber Herr Alipius, das kann ich vollkommen nachfühlen. Mir ergeht es -nicht immer- ebenso und sage mir, diese Welt ist so schön und kann nur das Werk eines ebenso schönen Schöpfers sein. Gottes überreichen Segen zut Priesterweihe.

Schwester Ursula - Initiata hat gesagt…

Möge sich, hochwürdiger Herr Diakon Alipius, die Schönheit der Schöpfung auch in der Art widerspiegeln, wie Du bald als Priester des Höchsten das Hl. Messopfer darbringst!
In diesen bedeutenden Stunden im Gebet ebenfalls gern verbunden! In Vorfreude auf einen würdigen Diener des Allerheiligsten!

Anonym hat gesagt…

Ich werde versuchen, beim nächsten Hundehaufen, in den ich trete, daran zu denken. :o)

Im Ernst, Natur ist schon super, kein Wunder, dass gerade in den größten Gebirgen die Leute scheinbar immer sehr gläubig sind. (Böse Atheisten werde wohl vermuten, das läge daran, dass der Informationsfluss in den Tälern nicht so grandios ist, aber was wissen die schon.)