Montag, 23. Mai 2011

Gift für den Erzbischof


Am 9. Februar 1916 wurde der zu diesem Zeitpunkt erst 44-jährige George Mundelein als Erzbischof von Chicago inthronisiert. So ein Ereignis brachte damals noch einen regelrechten und Party-Marathon mit sich. So wurde auch Mundelein in seiner neuen Bischofsstadt von Empfang zu Zeremonie, von Wohltätigkeitsveranstaltung zu Bankett herumgereicht.

Ein Mann beobachtete dies mit Argwohn. Sein Name war Nestor Dondoglio, aber in Chicago hatte er das Pseudonym "Jean Crones" angenommen. Als Jean Crones tauchte er tief in die Theorie des Anarchismus ein und war bald darauf bereit, zur Praxis überzugehen. Offenbar war Crones kein Mann der subtilen Taten, entschloß er sich doch zum Massenmord an der Krone der chicagoer Gesellschaft.

Es hatte sich nämlich folgene Konstellation egeben: Crones verdiente sein Geld als Koch beim University Club in Chicago. Genau dieser University Club gab am 10. Februar 1916 zu Ehren von Erzbischof Mundelein einen Empfang, bei dem gut 300 schwerstgewichtige Personen aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Finanzwelt und Bildung anwesend waren. Für Crones ein Who-is-Who der auszulöschenden Leben.

Die Idee war einfach, die Umsezung ebenso: Arsen in die Suppe! Niemand merkte es, der Gang wurde aufgetragen, die Gäste langten zu und schon bald wurde Jammern und Stöhnen laut. Gäste sprangen auf, griffen sich an den Bauch, krümmten sich vor Schmerz, sanken nieder und allgemeines Staunen steigerte sich schnell zu Panik. Ein Arzt, Dr. J.B. Murphy, reagierte blitzschnell, mischte aus Senf und Wasser ein Brechmittel zusammen, welches er den Leidenden verabreichte. Es folgte ein unappetitliches Spei-o-Rama im edlen Ambiente, aber immerhin überlebten alle Anwesenden das Attentat, wenn auch 100 der 300 Gäste den Raum verlassen mußten, um sich behandeln zu lassen. Erzbischof Mundelein zeigte keine Symptome und bemerkte im weiteren Verlauf des Abends, daß man mit schwereren Geschützen als schlechter Suppe kommen muß, um ihn auszuschalten. Zu diesem Zeitpunkt glaubte man noch, die Gäste seien Opfer einer Lebensmittelvergiftung geworden.

Bald aber kam man Crones auf die Spur. In seinem Appartment fand sich eine regelrechte Giftküche. Die Suche wurde gestartet, ein sattes Kopfgeld wurde ausgesetzt, aber der Täter wurde nie gefunden.

Einen New York Times-Artikel zu dem gruseligen Ereignis gibt es hier (.pdf).

1 Kommentar:

Yon hat gesagt…

"...und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden..."