Montag, 4. April 2011

"Wutchristen"

Im aktuellen Spiegel beschäftigt sich Peter Wensierski mit dem Niedergang des Erzbistums Köln unter Kardinal Meisner. Als symptomatisch muß da einleitend der Fasten-Hirtenbrief herhalten, von dem es heißt:
    In der Schrift wettert Meisner gegen Sex vor der Ehe und ruft die Jugend dazu auf, Gruppen gleichgesinnter Sexabstinenzler zu bilden. Der Hirtenbrief ist ein Ausdruck des theologischen Vorgestern - ...
Den Hirtenbrief kann man nachlesen. Das lege ich nicht nur dem Herrn Wensierski nahe, sondern auch jenen, die mit dem "wettern" und dem "Vorgestern" gekördert werden sollen, weil der Autor (wohl größtenteils zurecht) hoffen darf, daß seine Klientel das Schreiben nicht kennt.

Nach allem, was ich im Moment weiß, ist es richtig, daß Meisner für das Amt zu alt und zu schwach ist, daß er mehr Jubelalraunen um sich hat, als ihm lieb sein sollte und daß es im Erzbistum Köln zu viele Kirchenaustritte gibt. Dies wird sich auch unter dem 77-Jährigen nicht mehr ändern. Wie lange er weitermachen will und wird, bleibt abzuwarten.

Die "Wutchristen", die sich jetzt im Bistum orgsanisieren haben den Tank natürlich mit Memorandum voll. Dennoch sollten sie mit ihrern Formulierungen vielleicht ein wenig vorsichtig sein.
    "Die jüngere und ältere Geschichte" sei "voll von Beispielen für den Niedergang von Patriarchen, totalitären Regenten und eingebildeten Feudalherren. Die Zeichen stehen auf Sturm", und Meisner und sein Bistum "könnten bald dazugehören"
So warnen Bonner Katholiken im Internet.

Aufhänger in Bonn war, daß Köln die Nachfolge eines verstorbenen Gemeindepriesters ohne "die vorgeschriebene Anhörung der Gremien" (Der Spiegel) durchzog. Auf der Internetseite der "Wutchristen" ist immerhin noch von der "eigentlich vorgeschriebenen Beteiligung" die Rede (ganz unten auf der Seite). Ich arbeite mich grade erst in die Rechte und Pflichten der Priester und Laien in einer Gemeinde ein, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß ein Bischof das Recht hat, einen Priester in eine Gemeinde zu versetzen.

Ob dieser Priester dann auch eine Chance bekommt, oder ob man ihn von Vorneherein ablehnt und lieber darauf guckt, ob irgendwer auf irgendeine Art übergangen wurde, was das "Mitspracherecht" betrifft, hängt ganz davon ab, wie sehr man es auf der Seite der "Wutchristen" mit der Ehrlichkeit nimmt. Denn diese wird bei einer Einladung zu einem (mittlerweile abgesagten) runden Tisch (siehe links) vorsichtshalber erst einmal nur vom Erzbistum eingefordert.

Wut war noch nie ein guter Ratgeber. "Wutchristen" scheint mit daher ein ausgesprochen unglückliches Etikett zu sein.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Nicht ihr habt mich erwählt, ich habe euch erwählt". Wenn sich die Wut"christen" (was für ein Ausdruck!) ihre Priester und natürlich auch Bischöfe auf bürgerlich-demokratische Weise aussuchen wollen, dann müssen sie sich wohl eine andere Kirche suchen. Es darf allerdings vermutet werden, daß hier wieder einmal eine lautstarke Minderheit Rabatz machen will.

Anonym hat gesagt…

Der "Spei-gel" ist ja für alles mögliche bekannt, aber nicht unbedingt für seinen theologischen und / oder kanonistischen Sachverstand ...

Und was die "Wutchristen" angeht: Kinder, der Name ist zwar originell, aber ist er auch christlich? Zorn ist eine der sieben Todsünden, gegen die Bezeichnung würde ich mich an Eurer Stelle verwehren.

Pompous Ass

Akatair hat gesagt…

Sowas. In diesen Beichtspiegellisten taucht Wut doch unter den 7 Hauptsünden auf ...

Aber die Beichte haben Wutchristen wohl meist sowieso schon lange nicht mehr nötig.

Anonym hat gesagt…

Sosehr ich auch mit deiner im allgemeinen kritischen Einschätzung der "Petitionistas" und mancher (vieler) Pfarrgemeinderäte übereinstimme, in diesem Fall liegt der schwarze Peter wohl wirklich in Köln.

Denn die "Wut" der beiden betroffenen Bonner Gemeinden (ich wohne nicht in Bonn!) ist wohl doch berechtigt.

In der einen (Hangelar) stirbt ein hervoragender und geliebter Pfarrer, dem vom Erzbistum noch kurz zuvor sein Vikar als sein Nachfolger versprochen wurde. In der anderen (Godesberg) gibt es im Rahmen der Zusammenlegung mit anderen Pfarreien anscheinend Reibereien zwischen den dort tätigen Ordensleuten und dem zukünftigen "Großpfarrer". Auf jeden Fall wollen sie weg aus Godesberg.

Und was macht das Erzbistum: Es nimmt beiden Gemeinden (der einen nur Wochen nach dem Tod des Pfarrers) die jeweiligen Seelsorger und tauscht sie zwischen den Gemeinden.

Daraufhin kocht die Gemeindeseele hoch (was Wunder).
Der Bonner Stadtdechant versucht zu vermitteln und und organisiert einen "runden Tisch" (in diesem Fall wohl ausnahmsweise angebracht). Und dann wird dieser wenige Tage zuvor wegen "Terminproblemen" abgesagt.
Spätestens jetzt müssen sich die Gemeinden doch wirklich als Spielball der Diözesan-Bürokratie fühlen.

Dybart hat gesagt…

Ach Gott, Peter Wensierski, die Recherchebombe:

http://www.catholicism-wow.de/archives/archive_2010-m02.php#e388

http://trash-wissen.de/2008-09-14/sag-mal-peter-wensierski-spiegel/

Vermutlich schreibt er mit Vorleibe über Kirchenthemen, weil sich dort sowieso niemand für ordentliche Recherche interessiert.