Montag, 4. April 2011

"Wir sollten noch schneller aussteigen"

... meint Kardinal Marx im faz-Interview.

Natürlich muß Kardinal Marx als Mitglied der sich mit ethischen Fragen der Atomenergie beschäftigenden Kommission eine Meinung zum Thema haben. Und natürlich wird er diese Meinung auch mitteilen, wenn er von einer Tageszeitung danach gefragt wird.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Festlegung wirklich klug ist. Wenn es bei der Debatte um die Atomenergie nur um so läppische Dinge wie die Energieversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung und die gleichzeitige Verantwortung gegenüber der Schöpfung ginge, könne man sich ja lächelnd zurücklehnen. Leider geht es aber auch um Gesinnung, Macht, Poliktik, Geld und Urteilspakete. Wenn ich sage, daß ich ein Gegner der Atomenergie bin, dann halten mich die Befürworter derselben sofort für einen bedreadlockten, steinewerfenden Dauerstudenten mit Palästinensertuch, der Tag und Nacht auf Eisenbahnschienen rumhockt. Wenn ich sage, daß ich für die Atomenergie bin, dann halten mich die Atomkraftgegner für einen stiernackigen, zigarreschmauchenden, pelzmateltragenden Ausbeuter, der sich im Bentley durch die Gegend kutschieren läßt.

Oh, Momentchen! Ich glaube, dann ich bin Atomkraftbefürworter!

Scherz beiseite...

Ich persönlich bin ein recht moderater Gegner der Atomkraft und gleichzeitig ein schon nicht mehr ganz so moderater Gegner der sofortigen, überhasteten, zielgruppenschmeichelnden Abschaltung. Ja, macht Euch da mal 'nen Reim drauf. Ich schreibe in der Zeit weiter.

Also wenn's nach mir ginge, wäre es eigentlich am günstigsten, wenn Kardinal Marx weniger auf die Laufzeiten schielt, und dafür lieber die Atomenergie schlüssig irgendwo im Teufelsdreieck von "Energiebedarf/-angebot (Grund-, Mittel-, Spitzenlast)", "nicht-atomare Energien (Braun-/Steinkohle, Laufwasser, Pumpspeicher, Gasturbinen etc)" und "Verantwortung gegenüber der Schöpfung" positioniert. Wenn man hier vorschnell die Atomenergie zu weit in eine der drei Ecken rückt, wird die Debatte verunsachlicht.

Und das hilft Leuten wie mir, die eigentlich noch so ein wenig auf dem Zaun sitzen und überlegen, auf welcher Seite sie lieber runterstiegen, recht wenig.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Nachdem ich das Interview gelesen hatte kam mir der Gedanke: "Schuster bleib bei Deinen Leisten". Bla, bla und herumgeeiere. Man muß nicht in jedes Mikrofon schwatzen, sondern sollte auch einmal ehrlich sagen, daß man auf diesem Gebiet nicht kompetent ist. Er ist es nicht.