Samstag, 16. April 2011

Mulmig...

Ich dachte früher immer, daß Priester etwas ganz Besonderes sind. Als Kind beeindruckten mich die schwarzen Talare (auch wenn die dann schnell weniger wurden...). Als Jugendlicher beeindruckte mich die Tatsache, daß Priester die Wandlung vollziehen konnten. Als Erwachsener beeindruckte mich, daß Priester eigentlich Männer wie du und ich sind, die im entscheidenden Moment "Ja" sagten zum Ruf, der sie ereilt hatte, und durch die Gnade der Weihe zu einem Gefäß wurden, welches eigentlich immer strahlend schöne sein sollte, es aber aufgrund unserer angefressenen Natur nun mal nicht immer ist.

Mittlerweile habe ich in beide Richtungen eine Menge Erfahrungen sammeln können, habe Priester kennengelernt, die durch das Wort "beeindruckend" nur unzureichend beschrieben werden, habe aber auch solche getroffen (häufig auch nur von solchen gehört oder gelesen) bei denen ich mir dachte "Hmm... Priester? Ernsthaft?"

Nun ist es nicht an mir, zu urteilen und in das Herz eines Menschen kann man ja bekanntlich nicht hineinsehen. Aber es gibt eine Frage, die mich beschäftigt: Wie schafft es zum Beispiel ein pädophiler Priester oder auch ein Mann, der charakterlich einfach ein Na-Ihr-wißt-schon-was ist, jahrelang ohne rot zu werden am Altar zu stehen und das Heilige Meßopfer zu feiern, wenn ich mir schon einen Monat vor meiner Weihe in die Hosen mache, weil ich nicht weiß, ob mir bei der Wandlung nicht das Gesicht schmilzt wie den Schurken in "Jäger des verlorenen Schatzes"?

Ich meine, künftig wird sich regelmäßig durch meine Hände und Worte in meinen Händen Brot und Wein in den verwandeln, der selbst die Welt in den Händen hält. Und da soll ich cool bleiben und so tun, als sei ich nicht ein extrem verbesserungswürdiges Modell, welches bei solchen Vorgängen vielleicht lieber seine Augen bedecken sollte?

Okay, ich freue mich natürlich trotzdem auf die Weihe und ich werde das mit der nötigen Unterstützung durch Gebete auch schaffen, aber ein kleines bißchen Mulm bleibt schon...

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Läuft, Kumpel. Mach Dir keine Sorgen, Gott hat Dich zum Priester-Dasein berufen. Und so, wie Du Ihn im Moment der Wandlung halten wirst, wird Dich der Herr Dein ganzes Leben lang halten.

Vergiß nicht, daß es nicht nur Du bist, der Priester werden will, Gott will es.

Tiberius hat gesagt…

Das ist eine sehr gute Frage! Vielleicht ist der Glaube in diesen Fällen schon lange verloren? Von der Messe nur eine leere Hülle, bloßes Theater geblieben? Gottesfurcht kann es da auf jeden Fall nicht mehr geben. Ich hätte eine $(%3*$-Angst.

nachtbrieftraeger hat gesagt…

Und so lange das noch nach der Weihe so bleibt, so lange wird es gut sein. Wer als Priester so tut, als sei er ein "Übermensch", der ist schon vor der Weihe fehl am Platz. Und die meisten, die so tun, als wären sie etwas Besseres als Andere, können ihre Maske auch nicht ablegen, wenn sie etwas Schmutziges zu vertuschen haben. Jesus, dem wir alle nacheifern, war genau so Mensch wie wir. Auch er kannte Angst, Trauer und Freude.
"Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat." (Hebr 4,15)

Alipius hat gesagt…

@ Phil: ** grins ** Erstmal danke für die denkbar lockerste Mutmache ("Läuft, Kumpel"). Und dann hast Du natürlich recht: Ich hätt's wahrscheinlich alleine gar nicht so weit gebracht, wenn Gott sich nicht gesagt hätte "Ach, komm, den zieh ich auch noch mit durch".

@ Tiberius: Genau das meine ich auch. Eigentlich müßten solche Leute doch immer mit schlotternden Knien unterwegs sein.

@ nachtbriefträger: Ja, seh' ich auch so.

Matthias R. hat gesagt…

Da kann ich nur (wieder einmal) den Gedanken wiederholen, den ein lieber, befreundeter Priester (einer der ganz guten) mir bei einer Katechese mitgegeben hat. Er meinte, daß es ihn immer wieder sehr beruhige, daß Christus seine Kirche auf denjenigen als Grundstein aufbaute den er ein andermal wörtlich "Satan" genannt hat.
Ich bin ja kein Priester, aber instinktiv würde ich sagen, bewahre Dir diese Ehrfurcht, schließe dieses Gefühl fest in Dein Herz ein um Dich immer daran zu erinnern, wenn Du einmal in Versuchung kommst hochmütig zu werden. Fürchte Dich nicht.

Matthias

Schwester Ursula - Initiata hat gesagt…

Lieber Herr Diakon Alipius, wenn Du schreibst: "...Mittlerweile habe ich ... Priester kennengelernt, die durch das Wort "beeindruckend" nur unzureichend beschrieben werden, habe aber auch solche getroffen (häufig auch nur von solchen gehört oder gelesen) bei denen ich mir dachte "Hmm... Priester? Ernsthaft?"

Nun ist es nicht an mir, zu urteilen und in das Herz eines Menschen kann man ja bekanntlich nicht hineinsehen. Aber es gibt eine Frage, die mich beschäftigt: Wie schafft es zum Beispiel ein pädophiler Priester oder auch ein Mann, der charakterlich einfach ein Na-Ihr-wißt-schon-was ist, jahrelang ohne rot zu werden am Altar zu stehen und das Heilige Meßopfer zu feiern, wenn ich mir schon einen Monat vor meiner Weihe in die Hosen mache, weil ich nicht weiß, ob mir bei der Wandlung nicht das Gesicht schmilzt wie den Schurken in "Jäger des verlorenen Schatzes"? - Dazu fällt mir ein:
Die einen hoch achten, die andern Gottes Barmherzigkeit anempfehlen, damit sie sich ändern können; durch einen guten Beichtvater und Priester, die sie liebevoll auf dem Weg der Umkehr an die Hand nehmen... Barmherzigkeit will unser Herr; nicht (noch mehr) Opfer. Niemand sollte sich seiner Mitbrüder oder Mitschwestern "schämen", das ist die wahre Demut und "gerecht" vor Gott. Werde, lieber Diakon Alipius, so ein Priester und die Herzen der Sünder fliegen Dir zu! Deine Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Altarsakrament ist die beste Grundlage hierzu. Respekt!

Matthias R. hat gesagt…

Nun ist mir gestern doch noch etwas über den Weg gelaufen, ein schönes Zeugnis des Hl. Franz von Assisi zu der Heiligkeit und dem Vertrauen in geweihte Priester:
Danach gab und gibt mir der Herr einen so großen Glauben zu den Priestern, die nach der Vorschrift der heiligen Römischen Kirche leben, wegen ihrer Weihe, daß ich, wenn sie mich verfolgen würden, bei ihnen Zuflucht suchen will. Und wenn ich so große Weisheit hätte, wie Salomon sie gehabt hat, und fände armselige Priester dieser Welt - in den Pfarreien, wo sie weilen, will ich nicht gegen ihren Willen predigen ... Und ich will in ihnen die Sünde nicht sehen, weil ich den Sohn Gottes in ihnen unterscheide und sie meine Herren sind. Und deswegen tue ich das, weil ich materiell von ihm, dem höchsten Sohn Gottes, in dieser Welt nichts sehe als seinen heiligsten Leib und sein heiligstes Blut, das sie selbst empfangen und sie allein den anderen darreichen.
(Hl. Franz v. A., Testament, 6-7, 9-10; hier zitiert aus: Paul Zahner, Franz von Assisi begegnen, St. Ulrich Verlag, S. 29)
Schön, wenn man sieht, daß das relevante schon vor hunderten Jahren gesagt wurde.

Matthias