Mittwoch, 13. April 2011

Kruzifix in Urin...

Es zeugt von Unreife, von ästhetischer Verblendung, von Gedankenlosigkeit und wahrscheinlich auch vom Wunsch, handwerkliche Mängel durch Erzeugung eines medienwirksamen Skandals zu überspielen: Andres Serrano's Photographie "Piss Christ" (ein in Urin getauchtes Kruzifix) schafft es seit 1987 immer wieder, Christen auf die Barrikaden zu bringen. Sie wird seit 1987 natürlich trotzdem (oder besser gesagt: genau deswegen) immer wieder irgendwo auf der Welt ausgestellt. Im Moment ist das Werk im Rahmen der Ausstellung "I believe in Miracles" in Avignon zu sehen.

Ich lehne den Schund weniger wegen der Blasphemie ab (es tut zwar weh, aber Christus kann das ab und mir bereitet es auch keine schlaflosen Nächte) sondern eher wegen der offensichtlichen und billigen Marktschreierei und wegen der Heuchelei und der Dekadenz.

Ich fand anfangs Argumente wie "Wenn man den jüdischen oder den islamischen Glauben auf diese Art verunglimpft, gibt es zwei Sekunden später offizielle Entschuldigungen der Regierungen, aus allen Nähten platzende Kommentarbereiche, tränenfeuchte Feuilletons, Lichterketten, hysterisch drohende Bartträger mit vermummten Gesichtern und kreativen Plakaten, Bombenanschläge, Tote, Verletzte und brennende Kirchen und Botschaften" immer irgendwie blöd, weil dieser Angriff auf den katholischen Glauben unabhängig von allen anderen Dingen widerwärtig ist.

Wenn ich mir allerdings das Gesamtbild anschaue, dann sehe ich in der Tat, daß - zumindest was die Rücksicht, den Respekt und das Fingerspitzengefühl betrifft - Christen bzw. Katholiken in Europa seit einiger Zeit Bürger zweiter Klasse sind.

Natürlich ist es unheimlich schick, sich in so richtig schön historisch gewachsenem Schuldbewußtsein ständig an die Brust zu schlagen und mit Asche auf dem Haupt gegenüber jeder echten oder vermeintlichen Minderheit oder Opfergruppe es nicht an echten oder gespielten Tränen mangeln zu lassen, um sich so die Legitimation für Angriffe auf all jene zu sichern, welche in den Augen der professionellen Selbstkasteier EIGENTLICH die Schuld tragen (Europäer, Weiße, Katholiken, Männer, Heterosexuelle, Fleischesser, Müllmischer etc...). Aber nur mit dem guten, alten Auf-das-eigene-Erbe-Pissen hat sich noch keine Kultur halten können.

Wer online zu dem Serrano-Auswurf "Nö!" sagen will, der kann hier eine Petition uterschreiben.

Kommentare:

Matthias R. hat gesagt…

Es wundert mich nicht, daß Christen eine beliebte Zielgruppe sind. Eigentlich ist das ja sogar fast ein gutes Zeichen, oder?

Joh, 15. Kapitel:
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift

Werden andere auch verfolgt und geschmäht - sicher!
Wie ist die Reaktion der anderen darauf - mir egal!
Unsere Reaktion ist das wichtige. Machen wir unser Gesicht hart wie einen Kiesel, wenn der Feind hungert, dann geben wir ihm zu essen, wenn er durstig ist, geben wir ihm zu trinken, wenn er uns auf eine Backe schlägt halten wir die andere hin und wenn er unseren Mantel nimmt, dann geben wir ihm auch noch das Hemd.

Ist das leicht? Nein!
Habe ich Lust darauf? Sicher nicht!
Will ich es so? Ja.
Halte ich mich daran? Mit Gottes Hilfe ...

Matthias

doc_Mouse hat gesagt…

Gómez Dávila: Wer meint, Gott zu lästern, lästert meist nur den Küster

kalliopevorleserin hat gesagt…

"Wenn man sich bemüht, dümmer zu sein, als man tatsächlich ist, gelingt einem das leider meistens."
George Macdonald

Mich wundert bei der Aktion vor allem: Ist dem Künstler ein Leichnam am Kreuz nicht abstoßend genug? Wenn man nur den Gekreuzigten und nicht den damit zusammenhängenden Glauben ansieht, bleibt der mit einer Mischung aus Blut, Schweiß und Straßendreck verschmierter Leichnam eines zu Tode Gefolterten. Wie will man das "noch ekliger" machen?
Wenn allerdings erreicht werden soll, Christen zu ärgern, so ist das vermutlich so là là gelungen, es ärgern sich wirklich welche.

Je nach selbstgesetztem Ziel muß André Serrano sich selbst ein Ungenügend oder ein Ausreichend verpassen.

Anonym hat gesagt…

Ich freue mich, dass mal jemand (wie A. Serrano) der Religion (welche auch immer) sagt, was sie ist: IDEOLOGIE, um Interessen (Macht) durchzusetzen. Das war so, das ist so und wird wohl auch so bleiben. Wie viele aufrechte Menschen mussten in der Geschichte sterben, da sie der Kirche im Wege standen? Unzählige. Wo kommen die Reichtümer der KLöster, des Vatikans, der Kathedralen und Dome her, wem wurden sie genommen? Wer zwingt freie Menschen Dogmen bis zum Umfallen nachzubeten ohne nachzudenken? Wer zwingt Männer, dem Glück der Familie und des Vaterwerdens zu entsagen, um sich -wenn es nicht mehr auszuhalten ist - an kleinen Jungen zu vergehen? Mehr als genug Gründe, die für das Kunstwerk "PC" sprechen. Auch wenn das nur der Moderator liest: es gibt viele Menschen, die das so sehen.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: LOL! SO EINEN Kommentar darf gerne jeder lesen. Es in wenigen Zeieln vom Ideologie-Vorwurf zu Aussagen zu bringen wie "Wer zwingt freie Menschen Dogmen bis zum Umfallen nachzubeten ohne nachzudenken? Wer zwingt Männer, dem Glück der Familie und des Vaterwerdens zu entsagen, um sich - wenn es nicht mehr auszuhalten ist - an kleinen Jungen zu vergehen?" ist zirkusreif. Das mögen Sie nicht glauben wollen, aber es gibt viele Menschen, die das so sehen.