Sonntag, 10. April 2011

Freude

Man sagt "Spaßgesellschaft" und nicht "Freudengesellschaft", weil der Spaß sich fabrizieren und verkaufen läßt, während die Freude von innen kommen und geteilt werden muß.

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[Neues Label "Also, ich sach ma'..." für kleine Sprüche und Aphorismen, die ich immer spontan posten werde, wenn sie mir einfallen]

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Weiter so. Aber unter dem Label find ich sonst nix.

Anonym hat gesagt…

Ähm, lieber Alipius da stimme ich dir zu, aber wieso heißt das dann Freudenhaus und nicht Spaßhaus?? *nachdenk*

bellfrell hat gesagt…

Da zwingt mich mein spitzer Schnabel aber ganz schnell zu einer Frage:

Warum sagt man dann nicht Spaßhaus anstelle von Freudenhaus? :-)))

Alipius hat gesagt…

@ Johannes: Ja, das war das erste Posting unter dem Label.

@ anonym und bellfrell: Super! Als ich das postete, dachte ich mir 'Mal schauen, wann der erste Kommentar mit 'Freudenhaus' kommt'. Jetzt habe ich gleich zwei! Antwort auf Eure Frage: Es heißt "Freudenhaus", weil es Etikettenschwindel ist. "Spaßgesellschaft" ist wenigstens ehrlich und versucht nicht, den Eindruck zu erwecken, es ginge um Freude.

Imrahil hat gesagt…

Darf ich ehrlich sein? Ich halte diese Spaß-Freude-Ausdifferenziererei für falsch und einen Versuch von allerdings ernsthaft frommen Leuten, eine gewisse mit der Religiosität assoziierte Spaßverachtung in allerdings zurechtgestutzter und damit tatsächlich orthodoxer Form die Orthodoxie hinüberzuretten. Nach dem Motto: irgendetwas daran muß ja richtig sein.

Noch ein "Gegenbeispiel": "De Kinder ham a Freid... und da Vatter kriagt an Telefonblues, wenn er die Telefonrechnung zahln muß" etc.

Auch der Spaß läßt sich als solcher nicht fabrizieren oder verkaufen. Fabrizieren oder Verkaufen läßt sich bestenfalls die Vergnügung, wie ich sie wiederum nennen würde, aber ob jemand bei einer Vergnügung Spaß empfindet oder nicht, muß auch beim Spaß von innen kommen. Wobei die Vergnügungen hier aber meistens erfolgreich sind; und das ist auch nicht a priori schlecht so, denn wenn wir einmal die Anforderungen sowohl von Fasttagen wie auch, nicht zu vergessen, von Festtagen außer acht lassen, ist Spaß haben erst einmal besser als keinen Spaß haben. (Wobei ich durchaus auch vom Spaß am Fasten sprechen würde.)

Noch ein Beispiel, wie es mir gerade einfällt: Auch ein Pater Deneke spricht vom "Freudenprimitivismus". Daß es in der Tat "primitive Freuden" gibt, auf die man um höherer Freuden willen verzichten sollte, will ich nicht bestritten haben, aber da so ein gut/böse-Schema draufzusetzen halte ich für falsch. Wir können vom Spaß am Verarschen anderer Leute sprechen, aber St. Thomas hätte das bestimmt ebenfalls Freude genannt, obgleich es eine falsche ist. Usw.

Dann muß man unterscheiden: wo haben die Leute tatsächlich Spaß, und wo nicht. Die Leute haben zum Beispiel Spaß dabei, Mario Barth zu schauen, und dies kann sicherlich als besonders primitive Freude bezeichnet werden. Die Leute haben aber keinen, nicht nur bloß primitiven sondern gar keinen, Spaß daran etwa dieses Topmodelzeug anzuschauen - also keinen, der an sich damit verbunden wäre. Nicht ohne Grund wurde "Zehn Metter geh" aus dem Stand heraus zum Volksschlager. Sondern dieser Spaß resultiert präzise daraus, anderen beim Sichblamieren zuzuschauen. Usw.

Alipius hat gesagt…

@ Imrahil: Also, das gut/böse-Schema hast Du Draufgesetzt. Ich habe lediglich gesagt, daß sich das eine produzieren und verkaufen läßt (was keinesfalls a priori böse ist) und daß das andere von innen kommen und verschenkt werden muß. Sowohl Spaß als auch Freude sind gut, aber Freude ist eben etwas viel Tieferes, Ergreifenderes, Dauerhafteres. Beide, Mario Barth und die Modelshow, werden produziert und verkauft. Ob man sie nun Spaß oder Vergnügung nennt ist eigentlich egal, denn Freude, wie ich sie meinte, kommt bei beiden nicht auf.

Anonym hat gesagt…

Spaßig, die Kommentare ...

Eine freudenreiche Woche!

Pompous Ass

Imrahil hat gesagt…

>>Also, das gut/böse-Schema hast Du Draufgesetzt.

Mag sein. Klang aber für mich im Tonfall so. Also bitte um Entschuldigung für das falsche Verständnis.

Alipius hat gesagt…

@ Imrahil: Kein Grund, sich zu entschuldigen. Hätte ich eine richtige "Abhandlung" darüber geschrieben, hätte ich es auch deutlicher formuliert. Aber solche Sprüche leben natürlich durch ihre Knappheit und da bleibt immer Raum für Mißverständnisse.

bellfrell hat gesagt…

@ Imrahil
"....Sondern dieser Spaß resultiert präzise daraus, anderen beim Sichblamieren zuzuschauen."
Also mit einem anderen Wort:
"Schadenfreude"