Sonntag, 3. April 2011

De profundis...

Nachdem unser Mitbruder Norbert ja in der Nacht auf Samstag verstorben ist, wird bei uns im Brunnenhaus (wo er aufgebahrt ist) wieder für einige Tage jeden Morgen der Psalm 130 (129) erklingen.

Das war (außer den ganz Kurzen) der erste Psalm, den ich auswendig konnte, weil in meinem ersten Jahr in Klosterneuburg sage und schreibe sechs alte Mitbrüder nacheinander zum Herrn gerufen wurden.
    Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.
    Herr, höre meine Stimme!
    Wende dein Ohr mir zu,
    achte auf mein lautes Flehen!
    Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
    Herr, wer könnte bestehen?
    Doch bei dir ist Vergebung,
    damit man in Ehrfurcht dir dient.
    Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
    ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
    Meine Seele wartet auf den Herrn
    mehr als die Wächter auf den Morgen.
    Mehr als die Wächter auf den Morgen
    soll Israel harren auf den Herrn.
    Denn beim Herrn ist die Huld,
    bei ihm ist Erlösung in Fülle.
    Ja, er wird Israel erlösen von all seinen Sünden.
Tröstlicher geht es eigentlich kaum...

Vom Flehen aus der Tiefe über die Hoffnung und das Warten bis hin zur Erkenntnis, daß beim Herrn Erlösung in Fülle ist und er von allen Sünden erlöst, sind es nur wenige Zeilen.

Schön, wenn man feststellt, daß man nicht nur sündigen kann, sondern auch beichten und daher hoffen.

Am Samstag haben wird Herrn Norbert von seinem Zimmer, wo er verstarb, mit dem Konvent in einer stillen Prozession in das Brunnenhaus getragen und dort den Psalm angestimmt. Ich war - wie immer, wenn ein Mitbruder stirbt - sehr bewegt, und mir fiel wieder einmal auf, daß es doch eine gute Sache ist, als Priester in einer großen Gemeinschaft nicht nur zu wohnen und zu leben, sondern - so Gott will - auch die letzten Stunden zu verbringen. Das ist gut für den, der dem Ende seiner irdischen Pilgerschaft entgegenblickt. Es ist aber auch gut für die Gemeinschaft. Der Tod eines Mitbruders führt doch immer wieder dazu, daß wir uns untereinander stärker verbunden fühlen. So kommt's mir zumindest vor, und dieses Gefühl bewahre ich mir immer gerne.

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