Mittwoch, 27. April 2011

Blumig...

Auf Michael Blumes Blog Natur des Glaubens werden grade die Messer gewetzt. Michael startete eine neue Kategorie "Religionskritik unter der Lupe" in welcher die "Krise der (deutschsprachigen) Religionskritik im Netz" beleuchtet werden soll. Und gleich stehen einige Leute im Ring und kebbeln sich. Ein Kommentator schreibt eigenartige Dinge:
    In der wissenschaftlichen Arena müßt ihr [Christen, A.], um irgendeine Form des Respekts zu erlangen, auf belegbare Hinweise eures Gottes verweisen. Das wird euer Problem werden. Palaver ist eines, Belege sind schon schwieriger. Ihr könnt nur Lücken im momentanen Wissen liefern, aber nicht mehr. Damit könnt ihr vielleicht Punkte bei der P.M.-Crowd sammlen, aber nicht bei den selbst forschenden Mitlesenden. Mach dir nichts vor, du weißt auf welch epistismisch [sic!] krummen Beinen du dich bewegst.

    ...

    Ich warte auf die nachweisbaren Einflüsse Gottes auf die Natur. Ich forder nicht viel. Nur einen unwiderlegbaren Nachweis eures Gottes in der Schöpfung, für den Respekt eurer Religion. Auf molekulare Ebene bitte. Und ausführlich, mit Referenzen und all dem üblichen Zeugs, ihr wisst schon. Jetzt habt ihr mal die Chance, einem Atheisten euren Gott näher zu bringen. Werdet ihr sie nutzen?

    ...

    Ich habe grundsätzlich immer nur Respekt vor einer Person, deren Weltsicht ich kenne. Wenn jemand eine Weltsicht hat, die widersprüchlich/widerlegt ist, hat er/sie keinen Repsekt verdient.
Die Tendenz zeichnet sich ab: Früher verbrannten wir Hexen. Heute müssen wir belegbare Hinweise oder unwiderlegbare Nachweise erbringen, um uns als gläubige Menschen von denen, die offenbar künftig gerne die Regeln machten, Respekt zu verdienen. Wage es ja nicht, einfach nur ein netter Mensch oder ein hervorragender Wissenschaftler zu sein! Wenn es keine Hin- oder Nachweise für deinen Gott gibt, dann wird das leider nichts mit dem Respekt. Wo kämen wir schließlich hin, wenn man den Menschen einfach ihre widersprüchliche/widerlegte Weltsicht durchgehen läßt und sie nur aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation oder ihres Charakters bewertet?

Darauf ein Gläschen Rep-Sekt...

Kommentare:

Imrahil hat gesagt…

Auf molekularer Ebene? Bitte! Oder werdet ihr leugnen wollen, daß es offenkundig Aminosäuren gibt, dieselbigen also, entgegen der Naturgesetze, entstanden sein müssen?

Johannes hat gesagt…

Boah, da gehts ja ab...Trau mich gar nicht, mich da reinzumischen. Sonst gibt das wieder so ein endloses Diskutieren, wie ich es früher in den Foren genügend hatte.....
Hut ab, Michael, deshalb von hier, aus sicherer Entfernung ;)

Anonym hat gesagt…

"Wenn das Weltall, wie ich es erahne,die Frucht eine blinden Zufalls sein sollte, so ist das so glaubwürdig, als ob eine Druckerei in die Luft ginge -worauf alle Buchstaben wieder zur Erde fallen würden, und zwar in der druckreifen Form des Duden-Lexikons." Albert Einstein (Pinchas Lapide in "Von Kain bis Judas")

Josef Bordat hat gesagt…

Die Frage ist ja immer wieder, wie groß diese „wissenschaftliche Arena“ sein soll, in der gespielt wird. Ich habe ja Verständnis dafür, dass auf dem Fußballplatz nur der Respekt erwarten kann, der 90 Minuten rennt und rackert (wenigstens das, Schalke!). Aber „Rennen und Rackern“ von einer Opernsängerin oder einem Herzchirurgen zu erwarten, weil man meint, das Opernhaus und die Klinik seien auch nur eine Art Fußballplatz, das wäre dann doch etwas vermessen.

Es ist zudem immer wieder frappierend zu sehen, dass ID-Kreationisten und Szientisten aus sich diametral entgegenstehenden Absichten heraus den gleichen Kategorienfehler begehen: Gott (als Geist) sei Teil der Natur (als Materie), damit er ernst genommen werden könne. Gott wird in der Spur des „Gegenpapsts“ Ernst Haeckel, der Gott als „gasförmiges Wirbelthier“ beschrieb, physikalisiert und naturwissenschaftlich verfügbar gemacht: Gott existiert dann, wenn er sich als naturwissenschaftlich relevant erweist. Wie sähe so ein „unwiderlegbarer“ Nachweis, der hier gefordert wird, eigentlich aus? Bis wann sagt der Szientist: „Nein, das ist nicht Gott, das ist nur ein bislang unerklärtes Phänomen, das sich aber bald durch naturwissenschaftliche Forschung aufklären wird!“ Und ab wann sagt er: „Ja, das ist jetzt Gott!“ Interessant: Wenn „unwiderlegbar“ bewiesen wird - nach den Spielregeln der „wissenschaftliche Arena“! - dass Gott existiert, dann hat der Kommentator „Respekt“ vor demjenigen, der an Gott glaubt. Selber glauben kommt aber offenbar selbst dann immer noch nicht in Frage!

Der vorgestellte Gottesbegriff muss Bestandteil einer naturwissenschaftlichen Hypothese sein können, um sinnvoll verhandelbar zu sein – so die These. Da ein solcher „Gott“ nicht existiert (wenn er existierte, wäre er nicht Gott), existiert Gott nicht. Ein solch naturalistisches Gotteskonzept, bei dem die Beantwortung der Existenzfrage an sinnliche Erfahrung gebunden wird und das damit kategorial der „Designer“-Vorstellung des ID entspricht, ist im Rahmen einer christlichen Theologie nicht satisfaktionsfähig.

Was mich nachdenklich stimmt, ist weniger die epistemische Frage (den Gegensatz von einerseits „Forschern“ und andererseits „Christen“ gibt es ja gar nicht; auch andere Zuspitzungen werden nur von sehr wenigen Wissenschaftlern mitgetragen, wie ohnehin die wenigsten Szientisten Wissenschaftler und die wenigsten Wissenschaftler Szientisten sind) als vielmehr die ethische. Würde muss man sich ja neuerdings verdienen. Respekt also auch. Respekt ist zwar mehr als Toleranz, aber diese ist auch in Gefahr, wenn derart brachial die eigene Anschauung verabsolutiert wird und zu einer prinzipiellen Abqualifizierung Andersdenkender führt, wie sie im Kommentar deutlich erkennbar ist. Habermas hat Recht: Die Folgelasten der Toleranz zu tragen, ist nicht Sache des Szientismus.

Ich gehe einen Schritt weiter: Diese Haltung ist ein Rückfall weit hinter Thomas von Aquin, der in der Vernunft das von Menschen mit unterschiedlicher Weltsicht gemeinsam Geteilte sah und etwa dem Heiden Aristoteles sehr viel Respekt entgegenbrachte. Diese Basis abendländischer Kultur und Zivilisation wird hier sichtbar aufgekündigt, wenn letztlich nur derjenige Respekt verdient, der meine Sicht der Dinge teilt (denn darauf läuft es ja hinaus, wenn ich das letzte Wort bei der Beurteilung einer Weltsicht als „gültig“ oder „ungültig“ habe!). Was habe ich zu erwarten, wenn ich bei denen durch's Rost falle, die sich für befähigt halten, darüber zu befinden, was weltanschaulich gilt und was nicht gilt? Wie wirkt sich „kein Respekt“ aus? Denken wir es ruhig einmal zuende.

Josef Bordat

Alipius hat gesagt…

@ Josef Bordat: Witzig! Als ich den kleinen Artikel verfaßte, schoß mir auch Thomas' Respekt vor Aristotels durch den Kopf!