Den Mann vorläufig entpflichten ist richtig. Ob es richtig war, vor versammelter Gemeinde den Grund hierfür zu sagen, weiß ich nicht recht. Natürlich muß der Grund bekanntgegeben werden, sobald ausreichend Beweise vorliegen. Aber es gilt auch in diesem schrecklichen Verdacht: Unschuldig bis zum BEWEIS des Gegenteils. Nicht: bis zur VERMUTUNG. Aufklären: Ja, immer, so schnell wie möglich. Vorverurteilen: Bitte nie.
Sagt mal, geht's noch. Wenn der Satz aus der NOZ auch nur ansatzweise stimmt:
"In einem ausführlichen Gespräch mit dem Bischof habe der Geistliche am Samstagnachmittag entsprechende Vorwürfe eingeräumt, teilte die Bischöfliche Pressestelle in Osnabrück mit."
Dann ist das - forte et fides - ein ganz schlimmer Fall von Bigotterie und Verlogenheit, was einen nicht wirklich erstaunt, wenn man den Priester kennt. Aber klar, es waren ja nur mal wieder die bösen (linken!) hetzenden Medien. Hauptsache man hat seine Verschwörungstheorie zur Hand. Ich warte nur drauf, dass in den Bloggs der erste Behauptet, der Priester sei wegen seines Kommentars zu Bischof Bode zum Schweigen gebracht worden.
Du schreibst zu Recht: "Aufklären: Ja, immer, so schnell wie möglich. Vorverurteilen: Bitte nie."
Im konkreten Fall scheint es aber so zu sein, dass der entpflichtete Priester die Vorwürfe im Gespräch mit seinem Bischof bereits eingeräumt hatte, bevor die Gemeinde über die Voruntersuchung unterrichtet wurde:
Ich würde sogar sagen: es war keinesfalls richtig, es beim derzeitigen Verfahrensstand bekanntzugeben. Es sei denn, der Mann hätte ein umfassendes und glaubwürdiges Geständnis abgelegt und das Ordinariat als Zeichen der Reue und zur Minimierung des zu erwartenden Schadens ermächtigt, vor seiner Verurteilung damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Davon finde ich in dem Bericht aber nichts erwähnt. Also sieht es für mich sehr danach aus, als hätte das Ordinariat in Panik wegen der befürchteten Medienkampagne versucht, schnell ein Image-Problem loszuwerden.
Was dem Ordinariat angesichts der von besagtem Priester (wenn ich vorhergehende Berichte recht verstanden habe) am Ordinariat bzw. dem Bischof geäußerten Kritik wohl nicht allzu schwer gefallen sein dürfte.
Ein gewisser unangenehmer Nachgeschmack bleibt dabei auf der Zunge ...
P.S.: ich hatte mal einen Klienten, dem durch eine — wie sich dann später herausstellte: ungerechtfertigte — Anschuldigung wegen Kinderpornographie faktisch die Existenz ruiniert wurde. Hausdurchsuchung, Beschlagnahme sämtlicher Computer, die langjährige Freundin trennte sich von ihm, er verlor seinen Job.
Mehr als ein halbes Jahr später: dürre Mitteilung der Staatsanwaltschaft, daß das Strafverfahren eingestellt wurde, da sich die Anhaltspunkte als unzutreffend herausgestellt hätten. Die Computer könne er natürlich jederzeit abholen.
Was ihm freilich weder Freundin noch Job zurückbrachte ...
Wer redet denn davon, daß es nur die bösen linken hetzenden Medien waren? Wer redet von einer Verschwörungstheorie? Wer redet davon, der Priester sollte nur zum Schweigen gebracht werden?
Oder ist der Aufruf zum Gebet für eine offensichtlich bedürftige Seele irgendwie eine Spur zu christlich?
@Morgenländer: Dank für den Link. Wenn das so ist, ist die öffentliche Information natürlich richtig. Ich bin ziemlich fassungslos. Nicht daß ich Priester grundsätzlich für eine höhere Art Mensch hielte. Aber jeder einzelne, Priester oder nicht, der sich an Kindern vergeht (und wer Kinderpornos anschaut, tut das, weil er die Vergewaltigung von Kindern damit in Auftrag gibt), macht mich traurig, zornig und ratlos in so hohem Maße, daß ich außer einem "Mein Gott!" kein gebetsähnliches Wort hervorbringe.
Interessanter Hinweis zur Akteneinsicht: "..euphemistischer und verharmlosender Sprachgebrauch, der es oft unmöglich macht zu erahnen, was geschah, wie schwerwiegend der Übergriff war, welche Folgen er für die Opfer hatte." Scheinbar ist es nicht wirklich unmöglich: allerhand kann nicht nur erahnt werden, sondern reicht bereits zur öffentlichen Verurteilung.
Grüsst Euch in diesen schweren Stunden. Bin in der Psychiatrie tätig. Pornosucht ist furchtbar. Und leider leben sehr viele Süchtige ein Doppelleben. Sexsüchtige/Pornosüchtige sind sehr oft sehr unerwachsene Menschen, deren Sextrieb sich verselbständigt hat und oft wie abgespalten und enthemmt wirkt. Das Schlimme ist, dass sie damit Täter und Opfer (ihres Triebes) zugleich sind. Es ist so wichtig, dass Hypersexualisierung in der Jugend vermieden wird und dass die Priesterseminare nur menschlich sehr integre und stabile Personen zum Priester weihen. Gruss v Rolf
Die Inhalte dieser Webseite sind - soweit nicht anders vermerkt - von mir verfaßt und gestaltet. Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Texte oder Bilder weiterverwendet werden, bitte aber um eine Quellenangabe und bin darüberhinaus auch immer dankbar, wenn vor Verwendung der Form halber um Erlaubnis gefragt wird.
14 Kommentare:
Den Mann vorläufig entpflichten ist richtig. Ob es richtig war, vor versammelter Gemeinde den Grund hierfür zu sagen, weiß ich nicht recht.
Natürlich muß der Grund bekanntgegeben werden, sobald ausreichend Beweise vorliegen. Aber es gilt auch in diesem schrecklichen Verdacht: Unschuldig bis zum BEWEIS des Gegenteils. Nicht: bis zur VERMUTUNG.
Aufklären: Ja, immer, so schnell wie möglich. Vorverurteilen: Bitte nie.
Bete in beiden Fällen - und gebe das Anliegen weiter!!!
"fortes fide"? au weia.
Sagt mal, geht's noch. Wenn der Satz aus der NOZ auch nur ansatzweise stimmt:
"In einem ausführlichen Gespräch mit dem Bischof habe der Geistliche am Samstagnachmittag entsprechende Vorwürfe eingeräumt, teilte die Bischöfliche Pressestelle in Osnabrück mit."
Dann ist das - forte et fides - ein ganz schlimmer Fall von Bigotterie und Verlogenheit, was einen nicht wirklich erstaunt, wenn man den Priester kennt. Aber klar, es waren ja nur mal wieder die bösen (linken!) hetzenden Medien. Hauptsache man hat seine Verschwörungstheorie zur Hand. Ich warte nur drauf, dass in den Bloggs der erste Behauptet, der Priester sei wegen seines Kommentars zu Bischof Bode zum Schweigen gebracht worden.
@Kalliopevorleserin:
Du schreibst zu Recht: "Aufklären: Ja, immer, so schnell wie möglich. Vorverurteilen: Bitte nie."
Im konkreten Fall scheint es aber so zu sein, dass der entpflichtete Priester die Vorwürfe im Gespräch mit seinem Bischof bereits eingeräumt hatte, bevor die Gemeinde über die Voruntersuchung unterrichtet wurde:
http://www.bistum-osnabrueck.de/nc/service/presse/detailansicht/artikel/kinderpornografie-bistum-entpflichtet-priester.html
@ kalliopevorleserin:
Ich würde sogar sagen: es war keinesfalls richtig, es beim derzeitigen Verfahrensstand bekanntzugeben. Es sei denn, der Mann hätte ein umfassendes und glaubwürdiges Geständnis abgelegt und das Ordinariat als Zeichen der Reue und zur Minimierung des zu erwartenden Schadens ermächtigt, vor seiner Verurteilung damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Davon finde ich in dem Bericht aber nichts erwähnt. Also sieht es für mich sehr danach aus, als hätte das Ordinariat in Panik wegen der befürchteten Medienkampagne versucht, schnell ein Image-Problem loszuwerden.
Was dem Ordinariat angesichts der von besagtem Priester (wenn ich vorhergehende Berichte recht verstanden habe) am Ordinariat bzw. dem Bischof geäußerten Kritik wohl nicht allzu schwer gefallen sein dürfte.
Ein gewisser unangenehmer Nachgeschmack bleibt dabei auf der Zunge ...
P.S.: ich hatte mal einen Klienten, dem durch eine — wie sich dann später herausstellte: ungerechtfertigte — Anschuldigung wegen Kinderpornographie faktisch die Existenz ruiniert wurde. Hausdurchsuchung, Beschlagnahme sämtlicher Computer, die langjährige Freundin trennte sich von ihm, er verlor seinen Job.
Mehr als ein halbes Jahr später: dürre Mitteilung der Staatsanwaltschaft, daß das Strafverfahren eingestellt wurde, da sich die Anhaltspunkte als unzutreffend herausgestellt hätten. Die Computer könne er natürlich jederzeit abholen.
Was ihm freilich weder Freundin noch Job zurückbrachte ...
@ anonym: Geht was noch?
Wer redet denn davon, daß es nur die bösen linken hetzenden Medien waren? Wer redet von einer Verschwörungstheorie? Wer redet davon, der Priester sollte nur zum Schweigen gebracht werden?
Oder ist der Aufruf zum Gebet für eine offensichtlich bedürftige Seele irgendwie eine Spur zu christlich?
@Morgenländer: Dank für den Link. Wenn das so ist, ist die öffentliche Information natürlich richtig.
Ich bin ziemlich fassungslos. Nicht daß ich Priester grundsätzlich für eine höhere Art Mensch hielte. Aber jeder einzelne, Priester oder nicht, der sich an Kindern vergeht (und wer Kinderpornos anschaut, tut das, weil er die Vergewaltigung von Kindern damit in Auftrag gibt), macht mich traurig, zornig und ratlos in so hohem Maße, daß ich außer einem "Mein Gott!" kein gebetsähnliches Wort hervorbringe.
Ich glaube, Anonym ist einfach nur unkreativ. Er hat zur selben Zeit denselben Text auch bei mir hinterlassen.
@ stanislaus: Ja, dazu habe ich auch grade bei Dir kommentiert.
Interessanter Hinweis zur Akteneinsicht: "..euphemistischer und verharmlosender Sprachgebrauch, der es oft unmöglich macht zu erahnen, was geschah, wie schwerwiegend der Übergriff war, welche Folgen er für die Opfer hatte."
Scheinbar ist es nicht wirklich unmöglich: allerhand kann nicht nur erahnt werden, sondern reicht bereits zur öffentlichen Verurteilung.
Auf kath.net ist die Qualität des Gutachtens ja auch bereits ausgiebig diskutiert worden. Siehe hier: http://www.kath.net/detail.php?id=29230
Ich bin echt sauer. Das ist keine professionelle Aufarbeitung, das Gutachten ist unzulänglich und fragwürdig.
Er hat es doch zugegeben, nicht war?
Grüsst Euch in diesen schweren Stunden. Bin in der Psychiatrie tätig.
Pornosucht ist furchtbar. Und leider leben sehr viele Süchtige ein Doppelleben. Sexsüchtige/Pornosüchtige sind sehr oft sehr unerwachsene Menschen, deren Sextrieb sich verselbständigt hat und oft wie abgespalten und enthemmt wirkt.
Das Schlimme ist, dass sie damit Täter und Opfer (ihres Triebes) zugleich sind.
Es ist so wichtig, dass Hypersexualisierung in der Jugend vermieden wird und dass die Priesterseminare nur menschlich sehr integre und stabile Personen zum Priester weihen.
Gruss v Rolf
Kommentar veröffentlichen