Sonntag, 5. Dezember 2010

Echt jetzt?

Über thysus und summorum pontificum (Eintrag vom 4. Dezember, der bald weiter runterrutschen wird) landete ich auf der Internetseite der katholischen internationalen Presseagentur kipa mit Sitz in Freiburg (Schweiz).

Dort wurde gibt es einen Artikel von 2.12., der mit folgenden Absätzen glänzt:
    Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Feier des Gottesdienstes nach der alten, lateinischen Liturgie untersagt. Papst Benedikt XVI. hob dieses Verbot wieder auf. Nun plane der Bischof von Chur, für die Betreuung dieser Messen im Bistum Chur "eigene Priester heranzubilden", schreibt die NLZ.

    ...

    In liberalen Kirchen-Kreisen mache sich der Eindruck breit, dass sich Bischof Huonder angesichts der unangenehmen Diskussionen etwa um einen zweiten Weihbischof im Bistum immer mehr in konservative Zirkel zurückziehe, schreibt die Zeitung.
Im Portal Katholische Kirche Schweiz weiß man dazu:
    Das kommt an der Basis gar nicht gut an.
    Die Kritik am Bischof von Chur reisst nicht ab.
    Er will Konservativen mehr Aufmerksamkeit geben.
Okay...

Selbst, wenn die alte, lateinische Liturgie tatsächlich vom Zweiten Vatikanischen Konzil "untersagt" worden und von Benedikt XVI wieder "erlaubt" worden wäre (Das KONZILS-Dokument Sacrosanctum Concilium, #4 und das Motu Proprio Ecclesia Dei, #5c von Papst JOHANNES PAUL II sprechen allerdings eine andere Sprache...), fällt eines auf: Wenn es heißt "So, das mit der alten Messe wird künftig ein wenig anders gehandhabt!" dann hört man gerne auf die Kirche und das Magisterium, auf die Bischöfe und den Papst, denn es handelt sich ja um eine Entscheidung, welche die eigene Ideologie unterstützt (nachdem man sie etwas zurechtgebogen hat, siehe "untersagt"...). Wenn es heißt: "Och komm, die alte Messe war ja doch schon ein Kunstwerk für sich. Und es scheint Nachfrage zu geben. Also schauen wir mal zu, daß einem breiten Zugang nichts im Wege steht", dann ist es plötzlich nicht mehr so doll, auf auf die Kirche und das Magisterium, auf die Bischöfe und den Papst zu hören.

Verräterisch ist natürlich die Verwendung der beiden Formeln "in liberalen Kirchen-Kreisen" und "in konservative Zirkel" in Zusammenhang mit dem einen Ritus und seinen zwei Formen. Es will mir einfach nicht in den Schädel, warum ausgerechnet der Ritus unserer Kirche, der doch das Mindeste sein sollte, was uns als Katholiken eint, immer als Meßlatte dafür genommen werden soll, zu welchem Zeitpunkt man sich endlich mal wieder lautstark vom anderen "Lager" abgrenzen kann.

Niemand, der die außerordentliche Form nicht mag, wird mit Waffengewalt gezwungen, daran teilzunehmen. Niemand, dem bei der ordentlichen Form regelmäßig die Haare zu Berge stehen, wird schon am Samstagabend aus seinem Bett entführt und gefesselt in die Kirche gesetzt, damit er bei der rhythmischen Familienmesse am Sonntagmorgen auch bloß in der ersten Reihe sitzt.

Und wenn es schon so ist, daß man hinter einer weiten Verbreitung der außerordentlichen Form eine konservative Verschwörung vermutet, dann wäre es mir schon recht, daß diejenigen, die diese Behauptungen in die Welt setzen, mal für ein paar Jahre jeden Sonntagmorgen eine Messe dieser Form besuchen, damit sie wissen wovon sie reden. Ich zumindest habe eine katholische Jugend und mehr damit verbracht, dabei zuzuschauen, wie das heilige Meßopfer eher häufig als nie zu einer Randbemerkung in einem kunterbunten "Ich, Ich, ICH!"-Zirkus wurde. Ich habe ebenfalls in Rom hin und wieder die alte Messe besucht und war dort (zugegebenermaßen selten, aber immerhin...) ein wenig enttäuscht von dieser "Heiliger als alle anderen!"-Attitüde wohlmanikürter, akkurat frisierter Jünglinge, deren Finger beim Halten des Rauchmantels seiner Eminenz ebenso spitz waren wie nachher ihre Zungen beim Zicken über die Novus Ordo-Clique.

Und dennoch stehe ich heute voll und ganz zu beiden Formen unseres Ritus. Weil ich weiß, daß dort, wo die Menschen einfach nur eine würdige Messe feiern wollen, ohne sich irgendwie "moderner" oder "inklusiver" oder "heiliger" oder "würdiger" zu fühlen, die Form eine untergeordnete Rolle spielt.

Also: Suhlt Euch in Euren Ideologien (welcher Geschmacksrichtung auch immer) und Eurer Selbstgerechtheit wann und wo ihr wollt, aber laßt zum Henker nochmal Euer Psycho-Gepäck daheim, wenn Ihr in die Messe geht oder darüber schreibt.

Kommentare:

tradi.nl hat gesagt…

Heiliger Zorn! ;-)

Weisst Du schon, wie Du deine Primizmesse zelebrieren wirst?

Da ich nicht zur Weihe kommen kann, koenntest Du bitte den Termin und den Ort/Kirche nennen, falls Du das schon weisst? Ich bin mir sicher, dass auch andere von dieser Alternative gerne Gebrauch machen wuerden.

Phil hat gesagt…

Ich verlinke den Artikel einfach mal ganz frech. Warum? Weil ich jedes Wort hier unterschreiben kann. Thumbs up! (Oder, wie ich jetzt gelernt hab: Brofist!)

Johannes hat gesagt…

Was hast Du nur immer mit deinen wohlmanikürten Jünglingen? Ist es schon eine läßliche Sünde, sich die Fingernägel zu schneiden? Oder öfter als alle Vierteljahr zum Friseur zu gehen? (Was ich zum Leidwesen meines schwulen - na klar - Friseurs ja auch nicht tue) Spielt da vielleicht der David Berger-Effekt eine Rolle?
Ansonsten hast Du natürlich recht. In unserem Provinznest werden beide Formen zelebriert, es gibt ein paar Meckerer, die daraus eine Idologie (fast hätt´ich gesagt Glaubensfrage) machen, aber das werden eigentlich immer weniger. Es wird zusammenwachsen, was zusammengehört, da bin ich eigentlich recht hoffnungsfroh.

spero hat gesagt…

Schön!
Als Rheinländer sag ich dazu nur: Jedem Tierchen sein Plaisierchen!

Ich weiss auch nicht was dieser Zoff immer soll. Es ist ja nicht so, dass eine Form durch eine andere ersetzt werden soll.
Anstatt sich über diese typische katholische Weite zu freuen wird von einigen (wenigen) Vertretern beider Seiten versucht die Kirche in eine zwanghafte Enge zu führen.
Schade das ganze.

Das größere Problem was ich sehe ist, dass die meisten Messen halt nicht im ordentlichen oder im außerordentlichen Ritus gefeiert werden, sondern im unordentlichen...

Alipius hat gesagt…

@ Tradi.nl: Genauere Infos zu Weihe und Primiz etc werden hier sukzessive gepostet. Meine Primiz wird aber auf jedem Fall am Tag nach der Weihe in der Stiftskirche stattfinden. Eine Heimatprimiz (Düsseldorf/St. Antonius) wird es aber auch irgendwann geben, falls das für Dich entfernungsmäßig günstiger ist (Düsseldorf ist ja aus Holland leicht zu erreichen).

@ Phil: "Brofist" gefällt mir.

@ Johannes: Das mit den wohlmanikürten Jünglingen ist so eine Redewendung bei mir und ein paar Freunden und beruht auf der Erfahrung, daß es eine bestimmte Spezies traditionaller Seminaristen und Kleriker gibt, die tierisch Wert auf's Äußere legen aber dann ganz oft so elitär-zickig daherkommen. Das sind dann bei uns die "Wohlmanikürten"

@ spero: "Unordentlicher Ritus": LOL!

Yon hat gesagt…

Welches St. Antonius in Düsseldorf? Oberkassel oder Friedrichstadt?

Alipius hat gesagt…

@ Yon: Friedrichstadt

tradi.nl hat gesagt…

@ Johannes: Ich finde Deine Anfrage an Alipius schon interessant und auch berechtigt. Besehen aus meiner Profession bemerke ich auch, selbst bei von mir sehr geschaetzten Bloggern, dass scheinbar ein Beduerfnis besteht, ihre speziellen Vorlieben einher gehen zu lassen mit einer deutlichen Abgrenzung vom sogenannten Tuckengetue. Und Du hast meines Erachtens recht, wenn Du in diesem Zusammenhang den Berger-Effekt erwaehnst.
Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und erklaere: mir ist die evtl. sexuelle Preferenz der Kleriker shitegal, solange sie als Priester die authentische Lehre der Kirche vertreten und leben, und fuer eine wuerdige Katholische Messfeier garant stehen, welchen Ordo auch immer sie bevorzugen.

P.S.: Ich bleibe weiterhin ueberzeugter, nonkonformistischer, politisch und verbandskatholisch inkorrekter, Katholik!

@spero: Deinen Kommentar kann ich von Herzen unterschreiben!

@Alipius: Hoffentlich kann ich bei der Heimatprimiz dabei sein.

Und um mit weilen Erich Mielke zu sprechen: Ich liebe Euch alle! ;-)))

Alipius hat gesagt…

@ tradi.nl: Mir ging's weniger um "Abgrenzung" von Tucken, als um Distanzierung von einem Benehmen, welches ich gleichzeitig unpriesterlich und irgendwie unmännlich (aber jetzt nicht direkt im schwulen Sinne) finde.

Yon hat gesagt…

Oups. Na, welche Freude. Heißes Pflaster für mich... aber ich werd wohl trotzdem da sein. Vergiss bloß nicht, das groß, breit, dick und zahlreich anzukündigen, bitte.

Alipius hat gesagt…

Ja, klar. Alles, was irgendwie mit Weihe und Primizen zusammenhängt, wird immer so früh wie möglich gepostet!

tradi.nl hat gesagt…

Guten Morgen, Alipius!
Zu Deiner Replik: gebongt!

Peter Esser hat gesagt…

Oh, schön! Zu deiner Heimatprimiz werde ich zu Fuß kommen können!

gregoriusbraun hat gesagt…

Liberale Kreise und Konservative Zirkel sind schlechte Begriffe. Denn das Symbol der Kirche ist kein Kreis, wie auch immer er sich nennt, sondern das Kreuz.

Yon hat gesagt…

Au, jetzt freu ich mich, wenn gleich noch ne Riege Blogger mit zu St. Antonius kommt! Wir werden Dir hoffentlich einen würdigen Empfang zu bereiten wissen. :)
Bis dahin - im Gebet. :)

Johannes hat gesagt…

@Yon: Ich kann mir vorstellen, mit großer Freude nach Düsseldorf zu fahren mit meiner Steffi.
Aus der Rheingegend haben wir ja zudem noch ein paar Blogger. Da werden wir vielleicht schon ein Tischchen zusammenkriegen...