Donnerstag, 7. Oktober 2010

Frau geht mit Stemmeisen auf Jesus-Bild los...

Es ist nicht ganz, was Ihr denkt. Laut cbs4denver stürmte die Truck-Driverin [!] Kathleen Folden mit einem Stemmeisen in die Loveland Museum and Art Gallery, schrie "Wie könnt Ihr meinen Herren schänden?" und zertrümmerte das Glas, hinter dem sich das Gemälde "The Misadventures of the Romantic Cannibals" des Malers Enrique Chagoya befand. Diese Bild zeigt unter anderem Jesus beim Sex.

Find ich nicht gut.

Klar, mich widert es natürlich auch an, daß irgendwelche Kleckser gesellschaftlich unheimlich relevante Themen, Du, die uns irgendwie echt alle betreffen, weiße, immer gleich auf ein Weise ausdrücken müssen, die idealerweise Christus oder die Jungfrau Maria in möglichst Seite-3-tauglichen Posen zeigt.

Andererseits ist diese kleinbürgerliche, "schockierende" Tabubruch-Spießerkacke ja mittlerweile auch so unglaublich fade geworden, daß man am besten einfach weitergeht, ein Gebet spricht und den Rest unserem Herrn selbst überläßt.

Es mag in den Augen einiger Menschen keine Kunst sein, was da in Loveland ausgestellt wurde (unter anderem in meinen Augen), aber das kann nicht das Kriterium sein, sonst hätten wir im gleichen Atemzug ja potentielle Freaks exkulpiert, die einer Madonnenstaue den Kopf abhauen, weil es für sie "keine Kunst" ist.

Plus: Wenn wir mit gutem Gewissen über die Taliban motzen wollen, dürfen wir's nicht spielen wie sie.

Und, last but not least: Auch wenn es einige Leute vielleicht wirklich schmerzt, solche Bilder zu sehen, muß dennoch die Freiheit zum künstlerischen Ausdruck gewahrt bleiben, egal, wie bekloppt das Ergebnis sein mag. Wir können drüber meckern, wir können die Hände über'm Kopf zusammenschlagen, wir können uns auch mal bei den entsprechenden Stellen ein wenig beschweren und diversen Verantwortlichen ein Vögelchen zeigen, aber wir dürfen nicht nach Zensur schreien, wir dürfen das Kunstwerk nicht zerstören und wir dürfen den Künstler nicht mit Drohungen überhäufen.

7 Kommentare:

Florian hat gesagt…

Apropos Kunst, Kultur und Religion... Du hattest ja vor einiger Zeit mal ein Foto von der hl. Kunigunde auf der unteren Brücke am alten Rathaus in Bamberg gezeigt, der man das Zepter verbogen hatte... Im Moment hat sie nur noch einen kleinen goldenen Knubbel in der Hand, der Rest wurde anscheinend abgebrochen... :-/

Herzliche Grüße aus Bamberg,
Florian

Johannes hat gesagt…

Morgen,

Heute hat sich der Herr Alipius wieder selbst übertroffen. Eben nicht Gleiches mit Gleichem vergelten auch wenn menschliche Gefühlsregungen einen im ersten Moment dazu verleiten wollen, sondern die eigene Größe darin beweisen, dass man eben "darüber" steht. Wir wollen eben nicht mainstream sein oder handeln wie die Taliban: Obwohl diese Darstellungen respektlos, hirnlos und verletztend sind, brauchen wir nicht zu jenen Mitteln greifen, die andere gerne nutzen (seien es Bomben oder political correctness). Man darf sich natürlich fragen, wie die Sache aussähe handele es sich um ein Bildnis von Mohammed. Keine Frage, dann würden wieder Flaggen brennen und Hasstiraden gepredigt werden, aber das ist eben nicht unsere Art.

Vielen Dank für diese Bereicherung.

Grüße aus Köln,

Johannes

Anonym hat gesagt…

Also das kann ich jetzt überhaupt nicht verstehen. Die Blogözese und du regen sich auf über die klitzekleinsten Verfehlungen bei liturgischen Feiern, aber hier, wo über Jesus und den christlichen Glauben hergezogen wird in übelster Weise, willst du plötzlich ganz großzügig darüber hinweg sehen?! Grenzt für mich an Heuchelei. Das erstaunt mich doch jetzt sehr. Aber egal. Holt euch weiter die Trojanischen Pferde ins Haus, am Ende werden wir schon sehen, was dabei rauskommt und ob falsche Toleranz sich nicht eines Tages rächen wird.

Alipius hat gesagt…

@ Florian: ** grusel ** Ich hoffe, daß das bald repariert wird.

@ Johannes: Danke!

@ "anonymous": Erst einmal sind klitzekleinste Verfehlungen bei liturgischen Feiern an der Tagesordnung. Mir selbst ist gestern erst ein Fehler unterlaufen. Aber es war ein Fehler, wie er nicht nur jedem neu geweihten Diakon, sondern auch einem gewieften Priester passieren kann, und es war ein Fehler, den ich natürlich nicht "geplant" hatte. Worüber man sich in der Blgoezese aufregt, das sind eben geplante, bewußte Änderungen, Hinzufügungen oder Unterlassungen im Ablauf der Heiligen Messe, die den Eindruck erwecken, daß entweder der Zelebrant oder die Gläubigen oder auch beide oder (schlimmstenfalls) ein diffuses Gefühl der "Nettigkeit" in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Da bei einer liturgischen Feier aber Leute zusammenkommen, um Christus in Wort und Tat und auch in ihrem Herzen zu ehren, muß folglich auch wenigstens für diese 45 Minuten Christus im Mittelpunkt stehen.

Eine Galerie oder ein Museum stehen nicht notwendigerweise in einer solchen Beziehung zu Christus. Dort wird der Herr nicht geehrt, sondern dargestellt. Sicher, viele dieser Darstellungen ehren Christus trotzdem, indem sie von Glauben und Respekt und einem guten Verständnis für das Schöne zeugen. Aber es gibt natürlich auch Künstler, die einen etwas anderen, unschmeichelhaften Blick auf Christus haben. Das muß uns nicht gefallen (Um ehrlich zu sein, fände ich es sogar seltsam, wenn dies einem Katholik gefällt). Aber deswegen gleich zum Stemmeisen zu greifen oder sich zum Richter darüber aufschwingen zu wollen, was ein Museum nun seinen Besuchern zeigen darf oder nicht, daß ist maßlos übertrieben.

Le Penseur hat gesagt…

@Rev. Alipius:

Lassen Sie mich Ihren Gedanken ein wenig weiterspinnen: hätte die Dame statt des Stemmeisens einen Kuli zur Hand genommen, und in einem Beschwerdebrief an die Museumsleitung ihrem tiefen Befremden Ausdruck zu verleihen, wäre es völlig legitim gewesen.

Man sage nicht, daß sowas eh keinen Sinn habe — das ist die faule Ausrede der Feigen und/oder Resignierten! Ein Brief hat vermutlich keine Wirkung. Aber wenn die Dame zehn gute Freundinnen gebeten hätte, ebenso Briefe an die Museumsleitung zu schreiben (und diese Freundinnen vielleicht weitere 50 oder 60 Bekannte mobilisiert hätten, Briefe zu schreiben — und zwar individuelle Briefe, nicht vorgefertigte Musterschreiben, schön bequem zum Ausdrucken und Unterschreiben), dann schau ich mir die Museumsleitung an, die das mit einem Achselzucken abtut.

Wenn dann eine der Damen, die über Eloquenz, Bildung und Witz verfügt, sich außerdem ans Telefon geklemmt hätte, um mit einem der Verantwortlichen zu sprechen — und zwar durchaus nachdrücklich, aber nicht mit Drohungen und Schimpftiraden — nein, ich glaube nicht, daß das alles"keinen Sinn" hätte.

Wir dürfen eines nicht vergessen: unsere (größtenteils linken — sorry, aber es ist so!) Gesellschaftsveränderer und Kulturzerstörer sind einerseits schwer zu bekämpfen, weil sie meist irgendwie "Überzeugungstäter" sind. Andererseits aber sind sie auch zumeist (und recht unverholen) Opportunisten, die in der Meute der Gleichgesinnten heulen und davon leben (und zwar recht gut und bequem!), daß sie "dem Bürger in die Fresse kotzen". Denen das Heulen in der Kehle steckenbleibt, wenn man ihnen einfach Kontra gibt, und sie befürchten müssen, daß ihr billiges Einkommen versiegen könnte.

Das erfordert Sachkenntnis, das erfordert Zeit und Geschick — ist mir alles bewußt! Aber es ist jener Weg, der aus Dauer wenigstens zu Teilerfolgen führt.

Ein Stemmeisen hingegen nie. Denn da gibt's einfach viel zu viel, wogegen man dieses zum Einsatz bringen müßte ...

Yon hat gesagt…

Ich gebe zu, ich hab bei sowas den dringenden Impuls, den Künstler mit einer leeren PET-Flasche zu bearbeiten (ich glaube, das tut nicht wirklich weh) - nicht für Blasphemie, sondern für beleidigend übermäßige Drögheit.
Der Rest der Ausstellung würde mich wahrscheinlich sogar interessieren.

Ansonsten schließe ich mich dem Herrn Alipius an...

nikolaus hat gesagt…

Sehr schöner Kommentar von Ihnen Herr Alipius. Obwohl das Wort 'christlich' heute sehr inflationär gebraucht wird, würde ich Ihre Reaktion auf diesen Artikel - wenn ich mir das erlauben darf - als wahrlich christlich bezeichnen.

@Le Penseur

Ein sehr guter und vernünftiger Vorschlag, der wirklich erfolgreich sein könnte. Letztes Jahr haben z.B. ein paar Wiener Diakone gegen Karikaturen von Deix geklagt. Dieser Vorgang unterscheidet sich zwar von dem Museums-Fall. Mir geht es aber in erter Line darum ein Beispiel für eine angemessene Reaktion zu nennen.

Herzliche Grüße

Nikolaus