Dienstag, 14. September 2010

Nette Idee...

Leo von Ad Deum schrieb gestern über "Ecclesiastical Correctness" ("EC"). Er fragte mich dann eben in einer privaten Nachricht, was ich davon halte, bzw. ob die Blogoezese damit etwas anfangen kann.

Kann sie bestimmt!

Stanislaus z.B. gesteht ja schon in seinem Profil-Teaser, daß er EC nicht mag und spricht damit gleichzeitig stellvertretend für einen nicht kleinen Teil der Blogoezese.

Wenn Ihr Euch Leos kurzen Bericht durchlest, dann wißt Ihr auch gleich, was mit EC gemeint ist (wobei die meisten es wohl eh schon wissen oder zumindest erahnen).

Was liegt also näher, als hier und jetzt die neuen "Los Wochos" auszurufen? Postet Eure schaurig-schönsten EC-Momente oder - wenn Ihr kein Blog habt - mailt sie mir zu, damit ich sie hier veröffentlichen kann (mit oder ohne Quellenangabe - wie Ihr wollt).

Um die Sache auf Touren zu bringen, trage ich natürlich gerne auch etwas zum Thema bei. Ich glaube, die Geschichte mit "geschwisterlich" statt "brüderlich" ist gegessen. Da ist nichts mehr zu machen. Grundsätzlich habe ich auch nichts dagegen. Mir läuft's nur immer ein wenig klamm den Rücken hinab, wenn das Wort in einem Lied ersetzt wird (so geschehen in einer Pfarre in Düsseldorf - alle Stellen in allen Gotteslob-Büchern sorgsam überklebt...) und man dann an der Stelle plötzlich vier anstatt drei Silben singen muß. Das bringt Verwirrung rein, und das ist mir ein etwas zu hoher Preis.

Nicht selten höre ich auch, wie Priester nicht nur nicht von der Sünde reden, sondern wie sie diese Realität auch aktiv herunterspielen, nach dem Motto "Wir kommen alle in den Himmel, no matter what!"

Ein neuer persönlicher Favorit: In einer abgelesenen Einleitung zum Evangelium stand neulich "Christus fordert uns auf...". Dies wurde ersetzt durch "Christus lädt uns ein...". Das ist inhaltlich noch immer nahe genug an der Wahrheit, ist eine Aufforderung doch nur eine Einladung mit muskulösen Unterarmen. Aber trotzdem hat es so ein "Gschmäckle". Natürlich werden wir alle lieber eingeladen als aufgefordert. Aber wenn die Aufforderung von unserem Schöpfer kommt, von unserem Erlöser, von Ihm, der über die Seelen, die er schuf, frei verfügt, dann kann man als gläubiger Kathoik - meine ich - ruhig mal ein Auge zudrücken und sich dazu herablassen, auch einer Aufforderung nachzukommen.

Und noch etwas kommt hinzu: Oberflächlich scheint "lädt uns ein..." lieber zu klingen als "fordert uns auf...". Aber: Eine Einladung klingt auch viel unverbindlicher. Wenn es Christus ist, der auffordert, dann kommt der kluge Gläubige der Aufforderung nach. Wenn es Christus ist, der einläd, dann kann der etwas nachlässige Gläubige sich sagen: "Och, da werden sicherlich genügend Leute der Einladung folgen. Da fällt es ja gar nicht auf, wenn ich wegbleibe. Ich habe an dem Tag ohnehin 'was besseres vor..." Da genügt ein Blick in Mt 22,1-14, um zu wissen, was genau mit Leuten geschieht, die der Einladung des Königs nicht nachkommen. Wollen wir als Priester die Gläubigen wirklich in der trügerischen Sicherheit wiegen, daß bestimmte Lehren unseres HErrn lediglich eine "Einladung" sind und nicht eine Aufforderung?

Okay, ich will die EC-Wochos ja nicht in die Predigt-Wochos verwandeln. Der Ball liegt in Eurer Hälfte! Her mit Euren Geschichten!

13 Kommentare:

Imrahil hat gesagt…

"Er lasse uns Geschwister sein" oder die ohnehin stipulierte Überschrift "Liebe Schwestern und Brüder!" zu paulinischen Briefen ist ja in Ordnung, solange man nicht in den Bibeltext selbst eingreift, im letzteren Fall insbesondere in Anlehung an Gewohnheiten der deutschen Rhetorik. (Man mag sagen was man will, aber "sehr geehrte Damen und Herren" ist kein Fall von PC oder Feminismus.)

Aber mir ist mal aufgefallen, daß ein Lied im Gotteslob die Zeile "und hilf daß wir durch Dich den Weg zum andern finden". Schön und gut; man tut sich als Christ schwer etwas gegen Nächstenliebe zu sagen, auch wenn es einem bisweilen auf die Nerven geht, wenn "charity" die Bedeutung anzunehmen scheint, die es im Englischen hat... und prompt fällt einem auf, daß ältere Semester, Pfarrer eingeschlossen, tatsächlich bei dem Lied singen: "den Weg zum *Vater* finden."

Und wenn das tatsächlich geändert worden ist, dann ist das ein anderes Kaliber.

Christian hat gesagt…

Unser Gemeindeclusterpfarrer stellt den polnischen Gastpriester namens Woyzeck mit 'Adalbert' vor.
Und warum die Umtaufung zwischen Tür und Angel??? "...wegen den alten Damen!"

Johannes hat gesagt…

Kann es sein, dass der Los Wochos-Link nicht funktioniert?

Ach ja, auf der Straße heißt es: Ich war mit diesem oder jenem unterwegs. In der Kirche heißt es gefälligst:
Ich durfte ihn begleiten *sülz*

Stanislaus hat gesagt…

Der "Stanislaus"-Link funzt auch nicht. Aber ich habe heute natürlich wieder ekklesiologisch unkorrektes gepostet.

Alipius hat gesagt…

Paaaaaainlich!
1000 nicht-funktionierende Links!
Ist aber jetzt alles repariert!

Schönen Dank auch an die Einsender für die EC-Stories!

Le Penseur hat gesagt…

Das ewige Rumgesülze von den "drei abrahamitischen Religionen" nervt auch einigermaßen ...

hessemonk hat gesagt…

...der mit uns lebt und WIRKT in alle Ewigkeit - als ich denke da immer an Waschmittel.

Volmar hat gesagt…

Wenn wir schon von Kirchenliedern reden - fällt das eigentlich auch unter EC, nie, aber auch NIE, liturgische Texte wie Gloria, Nicänisches Credo, Sanctus im ORIGINAL zu verwenden?

curioustraveller hat gesagt…

Zum Thema "Aufforderung oder Einladung": Man stelle sich das mal bildlich in der Heiligen Schrift vor: Da kommt Jesus zu Jakobus und Johannes, die gerade am Netze flicken sind und sagt:

"Hallo, sorry, dass ich störe, aber könntet Ihr, wenn es euch nichts ausmacht und mit eurem Terminkalender und eurer kulturellen Prägung vereinbar ist euch eventuell vorstellen, dass es euch möglich sein könnte, mich eine Weile zu begleiten - natürlich nur, wenn Ihr Bock habt?"

Zum Glück hat er sich kürzer gefasst und die beiden aufgefordert. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

Alipius hat gesagt…

@ Alle: Zustimmung und Dank!

@ Volmar: Logo, gilt!

@ curioustraveller: Extra-LOL!

Stanislaus hat gesagt…

@ Volmar: Ne, das ist bloß deutsch-katholische Gewohnheit und Faulheit. Organisten kloppen lieber Lieder runter als Wechselgesänge mit der Gemeinde. Deshalb gehe ich sonntags auch immer dorthin, wo Choral gesungen wird.

Herminator hat gesagt…

Das mit "Brüdern und Schwestern" lasse ich mir genau dann gefallen, wenn es auch "die" Satan, "Die" Mörderin, "die" heißt.

Bis dahin unterstelle ich den "zutieftst betroffenen" Frauen mangelndes Selbstbewustsein oder leider nicht mangelnde Geltungssucht.

Hermann - nei, "Hermine" lehne ich ab, das wäre ein Duellgrund!

ancillaDomini hat gesagt…

Wenn der Kommuninoshelfer überfordert guckt weil er nicht weiss, was er tun soll wenn du mit Baby im Arm und Kleinkind an der Hand und offenem Mund vor ihm stehst und dann seine Hilflosigkeit überwindet und dir die Hostie in die Hand mit der du Baby festhälst drückt...
Mundkommunuion geht ja nicht weil retro.