Freitag, 17. September 2010

Der Hosenkrieg

Im Juli riet CatholiCity Message katholischen Frauen, sie sollten ihre "damned pants" um ihrer Ehemänner und Söhne und grundsätzlich um aller so gerne keusch und heilig bleiben wollenden Männer Willen an den Nagel hängen und doch bitteschön Röcke oder Kleider tragen.

Simcha Fisher von I Have To Sit Down hat nun ein Manifesto verfaßt, in welchem sie die Hose für die Frau verteidigt. Sie hat auch einen Pants-Pass entworfen. Dieser gestattet es einer Frau, Hosen zu tragen. Warum? Weil Ihr Ehemann es gestattet, wie seine auf dem Pass einzutragende Unterschrift beweist.



Mittlerweile zieht die Geschichte in der US amerikanischen Blogosphere Kreise, die Comboxen laufen über und heiße Debatten schäumen auf.

Mit Mark Shea muß ich mich doch einigermaßen wundern, daß es offenbar in der astrogiganthyperhardcorekonservativen katholischen Ecke leicht verklemmte Kerle gibt, die mit sehr wilden und sehr ernst gemeinten Kleidungsvorschriften ihre Verklemmtheit zu kompensieren versuchen und als Kontroll-Freaks ihre Frauen nach Strich und Faden beherrschen wollen.

Natürlich gibt es bei der Kleidung Grenzen des Anstandes, die zu übertreten heutzutage Volkssport ist. Aber Frauen, die Hosen tragen, sprengen diese Grenzen nicht. Denn Sluttiness steckt nicht im Gewand, sondern in der Attitüde. Es gibt Frauen, die im Rock ausgesprochen preiswert und easy aussehen. Und es gibt Frauen, die in Hosen picobello und hochanständig aussehen. Ja: So gut wie alle Hosen tragenden Frauen, die mir in meinem Leben begegnet sind, schauen weder aus wie pathologische Sex-Bestien, die nur darauf warten, sich auf den nächsten Anwärter des Padre Pio Gedächtnispreises zu stürzen, der ihnen über den Weg läuft, noch scheinen sie ungewollt mehr Begehren zu erzeugen, als ihre Röcke tragenden Geschlechtsgenossinnen.

Grundsätzlich finde ich, daß Röcke und Kleider besser zur Frau passen. Aber ich mag auch Frauen in Hosen. Das kann sehr elegant und auch sehr "züchtig" ausschauen. Wenn eine Frau das Schlämpchen mimen will, dann tut sie es in Kleid oder Hose. Wenn der Mann nach dem Weibe ausschau hält, dann begutachtet er die in Röcken und die in Beinkleidern.

Auf die innere Einstellung kommt es an.

Oder? Was meint ihr?

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

D´accord!

Rosenkranz-Atelier hat gesagt…

Da werd ich mir wohl umgehend einen solchen Pass besorgen müssen und meinem Mann zwecks Unterschrift rüberreichen müssen, sobald dieser sich von seinem Lachanfall erholt hat...
Ich bin ein besonderer Härtefall: nicht nur trage ich öfters Hosen als Röcke sondern meistens auch noch die besonders verabscheuungswürdigen Jeans...
Diese Diskussion kommt doch immer wieder hoch...bis vor 2 Jahren war ich auf ein amerikanisches Tradi-Journal abonniert und die haben allen Ernstes auch behauptet, eine echt katholische Frau würde nur (lange) Röcke und weit geschnittene kleider tragen.

Gregor hat gesagt…

Ich neige auch zu deiner Ansicht. Allerdings muß man sehen, daß Kardinal Siri - den du doch auch schätzt - noch in den 50ern, von Pius XII. belobigt - eine großangelegte Kampagne gegen das unsittliche Hosentragen von Frauen gestartet hat. Dem müßtest du dann konsequenterweise auch das Etikett "astrogiganthyperhardcorekonservativ-verklemmt" verpassen. Just saying.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Bei der heutigen Mittelalterbegeisterung ist ferner zu erwarten, daß Unterhosen für Frauen bald wieder als unzüchtig gelten. Und auch Männer sollten zur guten alten Brouche zurückkehren und diese hautenge Sauerei unserer Tage aus ihrem Wäscheschrank verbannen.

Johannes hat gesagt…

Liebe Maryse. Wer hat die "Trapezlinie" erfunden? Wer hat den Hosenanzug für Frauen salonfähig gemacht? Yves Saint Laurent, ein Schwuler. Ein Modeschöpfer, der dem Zeitgeist folgend eine androgyne Mode gestaltet hat, die den weiblichen Körper entweder hinter androgynen Formen (Trapezlinie) verschwinden lassen oder maskulinisieren (Hosenanzug) wollte. Die Konsequenz und Voraussetzung dieser Mode sind unter anderem Hungermodels, die sich schon rein körperlich dieser Mode anpassen und dem knabenhaften Schöheitsideal der Schwulen entsprechen, das mittlerweile das Schönheitsideal einer sich selbst sterilisierenden Gesellschaft geworden ist. Einer unserer (Du weißt, wo ich herkomme) Cheftheoretiker, Reimut Reiche, der 1970 ein Buch über "Sexualität und Klassenkampf" geschrieben hat, hat später von der Homosexualisierung der Gesellschaft gesprochen. Er meinte damit zunächst das moderne Sexualverhalten. Er hätte auch die Mode meinen können. Es geht glaub ich nicht um das Katholisch-Sein, sondern um das Frau-Sein. Kann sein, daß ich das zu ideologisch sehe. Aber ich kann es eben einfach nicht übersehen. Der Hosenanzug paßt.

Eugenie Roth hat gesagt…

Es gibt so wunderschön knackig-kurze Röcke - wie wär's mit denen?

Frau, die will, sieht in Hose UND Rock aufreizend aus. Und für meine Bedürfnisse - auch beruflich - da kann ich mir keinen Rock vorstellen. In der Pflege - Bewohner die Schuhe nach dem Duschen anziehen - da hängt der Rock im Wasser, weil die Dusche ebenerdig ist und der Boden erst bearbeitet wird, wenn der Bewohner versorgt ist. ... Wie angenehm ...

Alipius hat gesagt…

@ Gregor: Sicher schätze ich Kardinal Siri. Andererseits fand ich die Hosengeschichte schon immer merkwürdig. Ich sehe natürlich, wo Siri's Bedenken herkamen und halte sie nicht für aus der Luft gegriffen, aber grundsätzlich denke ich trotzdem, daß nicht die Hose das Flittchen oder der Rock die Heilige macht, sondern eine informiertes (bzw. uninformiertes) Gewissen und ein korrektes (bzw. zu korrigierendes) Frauenbild bei Frauen und Männern.

Maria Magdalena hat gesagt…

Nun, Jesus und die Apostel trugen ganz gewiss keine Hosen. Für einen Orientalen ist die Hose ein völlig unmännliches Kleidungsstück. Wie bei 1001-Nacht nachzulesen, verkleidet ein Mann sich als Frau, indem er Hosen und Schleier anlegt (und sich in die Frauengemächer zur Dame seines Herzens einschmuggeln lässt ...). Das, was die drei Pünktchen jetzt auslassen, ist der Grund warum dieses historische Werk 1986 in Ägypten als Pornographie verboten werden sollte.

Herminator hat gesagt…

Ich sage nur eines:

Lasst doch die Frauen Hosen tragen, rein anatomisch sind sie dafür besser geeignet.

SDie Schöpfungsgerechte Kleidung für den Mann sei der KILT!!
Ich selbst trage - außer in der Lohnsklaverei - keine Hosen! Freiheit, Belüftung, Weite, Gesundheit, Wohlbefinden!
Schalom
Hermann

Rosenkranz-Atelier hat gesagt…

Lieber Johannes!
Da kann ich dir nur völlig zustimmen. Trapezlinie finde ich schrecklich und ich habe als Teenager in den 80ern immer als erstes die Riesen-Schulterpolster aus den Jacken rausgetrennt und einen Hosenanzug würdest du in meinem Schrank auch nicht finden.
Ich trag Hosen und damit meine ich Jeans ( andere schicke Hosen habe ich nicht, zu besonderen Anlässen trage ich natürlich Rock oder Kleid)nur aus Bequemlichkeitsgründen, weil sie praktisch sind für die Arbeit im Haus und im Garten und zu allem passen.
Frau kann sich viel aufreizender oder provozierender kleiden mit Röcken als mit Hosen. Diese allgemeine Reduzierung auf die Frage "Rock oder Hose" geht m.E. am wesentlichen vorbei.

Yon hat gesagt…

Ich bin sowohl aus Sittlichkeits- wie aus Geschicklichkeitsgründen bekennende Hosenträgerin. In einen Rock kann man unten reingucken, in eine Hose nicht. Und wenn jetzt zum Beispiel die Situation entsteht, dass ich mich zu meinen Kommilitonen auf eine Wiese setzen soll, kann ich nicht dafür garantieren, dass nicht die gesamte Truppe durch den Anblick meiner Unterbekleidung belustigt wird. Andere Damen mögen geschickter sein; ich verhülle vorsichtshalber lieber jedes Bein einzeln.

Lumen Cordium hat gesagt…

Ich finde auch, dass die Hose - rein anatomisch gesehen - besser zur Frau passt, als zum Mann. Eine Hose ist auch wesentlich resistenter gegenüber unerwünschten Blicken.

Ich trage sehr gerne Hosen - keine knallengen Teile, wo man wirklich alle Konturen des Körpers sieht, das sollte schon klar sein - aber normal geschnittene Hosen eben.

Röcke trage ich zwar auch gerne, einfach weil sie schön sind und weil es auch sehr unkompliziert ist, so ein Teil anzuziehen und zu pflegen. Aber für gesellschaftliche und außerhäusliche Anlässe trage ich dann lieber die Hose, weil ich mich darin sicherer und bewahrter fühle.

Es gibt ja so unglaublich fiese Geschichten, wo sich Jugendliche auf Parties betrinken und die Mädels im Rock dann ganz schön schlechte Karten haben - da wird dann einfach mal der Rock hochgehalten und jeder kann alles sehen. Das ist auch nicht gerade keusch und ich bin mir sicher, dass war früher auch schon so.

Anonym hat gesagt…

Ich gehe jetzt einmal am Sinn dieses Eintrags meilenweit vorbei und halte mich am Vokabular auf.

Dieser Witz muß nordamerikanischen Ursprungs sein, weil er für Hosen ganz selbstverständlich "pants" schreibt. Im britischen Englisch heißen Hosen meines Wissens "trousers"; "pants" bezeichnet dort zur Unterwäsche gehörige Hosenformen.

Über die Konsequenzen dieser kleine Unterschiede sag ich jetzt einmal nix, sondern lasse die werte Phantasie der p.t. Leserschaft werken ...

Pompous Ass

Leo hat gesagt…

Vor kurzem saß ich während einer heiligen Messe hinter ein paar alten Frauen. Da fiel mir auf, dass diese alle Hosen trugen. Also ehrlich, schön war das nicht.
Mir gefallen Frauen in Röcken, sie betonen oftmals ihre Weiblichkeit oder verdecken körperliche Unregelmäßigkeiten, die bei Hosen deutlicher zum Vorschein kämen.
Wenn ich unsere Bundes-Angie angucke, werde ich zum Rockverfechter!
Allerdings sind Mädchen in Röcken benachteiligt: so einfach ist es nicht mit Röcken auf Bäume zu klettern, sich anständig hinzusetzen ...
Im Sommer wäre es für uns Männer durchaus auch mal angenehm, einen Rock tragen zu dürfen, aber das ist schon seit ein paar Jahrhunderten nicht mehr üblich.

Johannes hat gesagt…

"Moses hätte in Hosen niemals Wasser aus dem Felsen schlagen können." Tanja Blixen, Mottos meines Lebens.

Volmar hat gesagt…

Uns' treu-katholische Pfadfinderinnen tragen ja streng nur Rock. Leider. Bedeutet nämlich meiner Meinung nach eher verpasste Chancen, Gleichaltrige zu erreichen.
Es soll ja Zeiten gegeben haben, in der schon der knöchelfreie Rock als unzüchtig galt. Die Meinung von Kardinal Siri in allen Ehren, der Rock gehört wohl doch nicht zum Depositum fidei.
Wer meint, über den Rock diskutieren zu müssen, muss erst recht über Lippenstift und high heels diskutieren.
Die Leiterin des Workshops "Looking good inside and out" beim Kongress Freude am Glauben" wiederum schien mir wiederum fast ein wenig zu mauerblümchenhaft für einen solchen Jugendworkshop.
Der weibliche Sinn für Schönheit als besondere Gabe sollte ganz zum Tragen kommen im Sinne von "Verschönere deinen Nächsten wie dich selbst." Dass diese Gabe wie jede andere missbraucht und zur Waffe werden kann, ist keine Frage.

Volmar hat gesagt…

Schönheit ja - Attraktivität nein
Dieser Beitrag über aktuelle Äußerungen des Heiligen Vaters (http://gfsch.blogspot.com/2010/09/vado-avanti-con-grande-coraggio-e-con.html) bei Giovanni scheint mir auch hierher zu passen im Sinne von:
Schönheit der Kirche - Schönheit Mariens - Schönheit der Frau.

Phil hat gesagt…

ICH BIN MILITANTER HOSENTRÄGER UND LASSE MIR DAS VON NIEMANDEM NEHMEN.

Oh, und für Frauen gilt: Is mir ziemlich fumpe. Persönlich finde ich Frauen in Röcken hübscher und z.T. (und das hat nichts mit der Rocklänge zu tun) aufreizender als Frauen in Hosen, aber das kommt es da auch auf den Einzelfall an. Gesittet kann eine Frau in Hosen und Röcken aussehen.

Phil hat gesagt…

"Allerdings muß man sehen, daß Kardinal Siri - den du doch auch schätzt - noch in den 50ern, von Pius XII. belobigt - eine großangelegte Kampagne gegen das unsittliche Hosentragen von Frauen gestartet hat. Dem müßtest du dann konsequenterweise auch das Etikett "astrogiganthyperhardcorekonservativ-verklemmt" verpassen. Just saying."

Kardinal Siri und Pius XII. haben in den 50ern diese Meinung vertreten. Wie würden sie heutzutage dazu stehen?

Sicherlich sollten uns die Dinge, die Kardinäle und Päpste zu früheren Zeiten sagten, zu denken geben, das ist klar. Aber trotzdem muß man bedenken, daß diese Worte vllt zu einer anderen Zeit gesprochen wurden.

Ich kenn mich nicht mit den Frauen in den 50ern aus, aber vllt war damals Hosentragen wirklich ein eindeutiges Zeichen dafür, eine Kampfemanze zu sein.

Wobei ich generell kein Freund von religiösen Einordungen durch äußeres Aussehen bin (wie man - Schleichwerbungsalert - in dem Artikel "Wie sieht ein Christ aus?" bei mir lesen kann).